Den Rock hautnah erleben
21.11.2007
25 °C
Den Rock hautnah erleben (circa 400 km)
21. November 2008
Ein Urlaub zum Ausschlafen war das wirklich nicht. Nach dem alten Sprichwort "In der Früh muss man den Tag suchen" war die Abfahrt zur Sonnenaufgangsparty über den Ayers Rock oder wie er in der Sprache der Einheimischen heisst den "Uluru" um 5:00 Uhr. Nachdem wir aber alle froh waren, die Nacht des Strums heil überstanden zu haben, waren wir voller Erwartung, was der neue Tag bringen würde. Obwohl wir so früh unterweges waren, waren wir bei Weitem nicht die ersten am Parkplatz. Wir mussten einige Zeit einen Platz suchen, wo wir unseren Bus samt Anhänger abstellen konnten. Während Yvette alles für das Frühstück vorbereitete, suchten wir nach guten Plätzen, um unsere Fotos zu schießen. Noch lag der Rock im Schatten, aber der Himmel war wolkenlos. Wir wandten der Sonne unseren Rücken zu, denn auch hier war es wieder schön, zuzusehen, wie die Strahlen der Sonne auf den Stein treffen und ihm eine andere Farbe geben. Und es war tatsächlich ein außergewöhnliches Erlebnis, dabei zu sein, wie sich der Uluru im Morgenlicht von rot bis orange verfärbte.

Es war noch kühl so früh am morgen. Wir waren froh, unsere Jacken angezogen zu haben, obwohl sie vor lauter Dreck schon selber stehen konnten. Aber es ist wirklich so, wie Eva uns gesagt hatte, alles verfärbt sich rot in dieser Gegend und passt sich der Landschaft an. So auch wir. Vorerst fuhren wir zum Mala-Walk-Parkplatz. Hier konnte sich jeder entscheiden, ob er den Stein besteigen oder ob er ihn umwandern würde. "The Climb" war heute offen. Die Aboriginies haben keine Freude mit den Ameisen, die den Gipfel ihres Heiligtums erstürmen. Deshalb ist der "Climb" auch an Tagen closed, wenn die Aboriginies feierliche Zeremonien haben, Regen innerhalb der nächsten drei Stunden vorhergesagt ist oder ein starker Wind weht. Das Wetter war jedoch herrlich und Peter und ein Holländer aus unserer Gruppen hatten sich entschieden, hoch zu gehen.

Voraussetzung für die Besteigung des Ayers Rock ist eine gute Kondition, Wanderschuhe und zwei Liter Trinkwasser. Yvette machte wieder eine Rucksackkontrolle bei Peter. Noch war es früh und der gesamte Wanderweg, der entlang einer weißen Kette nach oben führt, lag im Schatten. Doch wenn die Sonne auf den Stein trifft, wird die Hitze unerträglich und um die Mittagszeit wird der Aufstieg gesperrt. Wir schauten noch zu, wie Peter den ersten Teil der Strecke aufrecht überwand. Viele Japaner steigen bereits mit Handschuhen bewaffnet aus dem Bus und kriechen schon den ersten Teil des Weges auf allen Vieren nach oben.
Wir hatten uns entschlossen den etwa 10 km langen Base Walk Rundweg um den Stein zu machen und so den Rock hautnah zu erleben. Es war mittlerweile 7:00 Uhr geworden. Yvette würde uns um ca. 9:00 Uhr am Parkplatz erwarten. Auch wir hatten Trinkwasser dabei und unseren Safarihut mit Netz, denn mit der Sonne würden auch die Fliegen erwachen. Rund um den Stein war es sehr grün. Es hatte ja geregnet. Auf dem roten Rock sieht man immer wieder schwarze Striche. Das rührt daher, dass an diesen Stellen bei Regenwetter gigantische Wasserfälle zu Tal stürzen. Es gibt auch einige natürliche Wasserlöcher am Grund des Steins. Deshalb haben sich hier die Anangus Aborigines viel aufgehalten. Der Stein hat auch nicht immer eine glatte Oberfläche, wie man bei der Betrachtung aus der Ferne annehmen würde. An einer Stelle bilden Löcher ein Muster in der Form des Kopfes eines Urmenschen. Von der Schmalseite sieht er eher aus, wie ein Haufen Pudding.

Seppi und ich humpelten im Duett. Er hatte starke Schmerzen in seiner Hüfte - ich noch immer ein wenig in meiner Wade. An einem der Wasserlöcher konnten wir auf schönen, aus Eukalyptusbaumstämmen gezimmerten Bänken etwas ausrasten. Danach besichtigten wir noch die Höhlenmalereien. Trotz unserer leichten Behinderung konnten wir den Rundgang in der vorhergesehenen Zeit schaffen. Als wir eintrafen, kam Peter auch gerade von seiner Tour zurück. Er hatte die 350 Höhenmeter in etwa einer dreiviertel Stunde geschafft und konnte noch aufrecht den Abstieg antreten. Vielen Touristen fehlt die Kondition für den Abstieg oder sie haben Angst, den steilen Abhang hinunter zu sehen. Deshalb bewältigen Etliche den Abstieg im Rückwärtsgang oder wenn es gar nicht mehr geht, auf ihrem Hinterteil. Peter hatte einer Dame dabei zugesehen und bemerkt: " Bis die unten ist, kann sie keinen Arsch mehr haben".

Nachdem wir im Nationalparkzentrum einen Toilettenstopp gemacht und die kunstvoll hergestellten Arbeiten der Aborigenes besichtigt hatten, begann die halbstündige Fahrt zum zweiten Teil des Nationalparks - zu den Kata Tjuta (was in der Sprache der Aborginies soviel wie "viele Köpfe" bedeutet). Die 36 Kuppeln der Olgas ragen 32 Kilometer westlich vom Ayers Rock aus der wüstenhaften Ebene heraus. Die höchste Kuppel ist der Mount Olga mit 1.066 m Seehöhe. Zur Erklimmung eines Gipfels müsste man 546 Höhenmeter überwinden. Dies ist jedoch verboten. Es gibt nur einen Wanderweg durch das Heiligtum im Valley of the Winds. Ein kurzen Spaziergang, den wir unternahmen, führt als Sackgasse zwischen zwei Köpfen zu einem heiligen Platz der Männer. Hier wächst ein bestimmter Baum, aus dem Sperre produziert wurden.
Auf dem Rückweg zum Camp umrundeten wir den Ayers Rock zum letzten Mal, diesmal in der Mittagssonne. Der Stein ist mit vielen Geschichten aus der Traumzeit verbunden. Auch wir mussten noch die Reste unserer Träume beseitigen. Während Yvette mit einem Teil der Gruppe das Mittagessen vorbereitete, kehrte ich den Sand, den das Sandmännlein dagelassen hatte, aus unseren Zelten. Es war eine aufregende Nacht gewesen und für mich etwas total anderes. Ich bin ja eigentlich kein Freund von Campen, aber hier in dieser Gegend in der Nähe eines Ortes mit soviel Ausstrahlung war es ein besonderes Erlebnis gewesen. Yvette hatte mir schon verraten, dass das Camp in dem wir die heutige Nacht verbringen würden, etwas schlichter als dieses wäre. Also, wer weiß, was uns da erwarten würde.
Als wir die Reste des Vortages als Mittagsmahl verspeist hatten, setzte sich der Bus in östlicher Richtung in Bewegung. Kurz machten wir nochmals an einem Rastplatz mit Blick auf den Mount Conner halt. Von den Aborigines wird er auch Attila genannt und gilt als das Zuhause des Eismannes, welcher dafür sorgt, dass die Temperaturen im Winter Nachtsüber auch unter dem Gefrierpunkt fallen können. Allerdings war es gerade so heiß, dass man leicht Spiegeleier auf der Motorhaube hätte machen können. Auf der anderen Straßenseite führte ein Weg über die Sanddünen zu einem der vielen Salzseen, die es hier in der Gegend gibt. Zum See gibt es eine Geschichte über zwei Brüder, die sich am Abend zu Bett gelegt hatten. Einer davon ist in der Nacht verstorben und bildet heute eine Insel im Salzsee, der aus den Tränen des trauernden hinterbliebenen Bruders entstanden war.
Endlich hatten wir dann wieder den Stuart Highway erreicht und dann ging es nur mehr dem Norden zu. Wir machten nur noch einen kurzen Stopp auf dem Highway, um Brennholz zu sammeln. Klingt komisch! Aber wer nicht half handstarkes Holz zu sammeln, würde kein Abendessen bekommen. Denn es sollte am Lagerfeuer gekocht werden. Unsere Jungs aus aller Welt hatten richtig Spaß daran und zerrten sogar einen umgefallenen Baum aus dem Gebüsch. Da es leider keine Säge oder Hacke gab, warfen sie den Baum auf den Asphalt des Highways, in der Hoffnung, dass er auseinander brechen würde. Ja, richtig gehört - auf den Highway. Bei der Anzahl an Autos, die hier vorbeikommt, hat man sogar Zeit, auf der Straße Bäume zu zertrümmern.

Das Feuerholz wurde auf das Dach des Trailers geschlichtet. Danach setzten wir unsere Fahrt ins Camp fort. Unterwegs sahen wir noch wilde Pferde und Dingos. Sie sind die einheimischen "Wildhunde". Sie sehen einem Hund wirklich sehr ähnlich. Einen konnten wir sogar dabei beobachten, wie er gerade im Schatten eines Busches seine erlegte Beute verzerrte.

Dann tauchten auch schon die Ausläufer der 60 km langen George Gill Ranges auf. Bald würden wir den Highway verlassen und auf einer schmalen Nebenstraße zu unserem Camp am Rande des Kings Canyon Nationalparks fahren. Die über 100 m hohen Felswände des Kings Canyons lagen im wunderschönen Abendlicht getaucht vor uns. Wir hatten den Kings Canyon Resort erreicht, in dem Yvette in der letzten Woche mit einer Gruppe einige Tage lang eingesperrt war. Die starken Regenfälle hatten ein Verlassen der Schlucht unmöglich gemacht. Auch mussten sie das Zeltlager verlassen und Schutz im Resort suchen. Trotz der Unannehmlichkeiten war es beeindruckend gewesen, dem seltenen Naturschauspiel beizuwohnen. Während eines Helikopterflugs konnten sie sich vom Ausmaß der Katastrophe informieren.
Wir kamen gerade noch rechtzeitig ins Resort, bevor die Tankstelle und der kleine Laden schloß, in dem wir unseren und Yvette den Durst des Busses stillen konnten. Durch die Sanddünen lenkte sie den Bus sehr geschickt ins "Nichts". Wir waren mitten in der Australischen Steppe, einige Kilometer vom Resort entfernt. Eigentlich hatten wir vor, uns am Abend noch etwas in der Bar zu vergnügen, aber den Weg durch diese Wildnis würden wir wohl nie mehr finden. Hier begegneten wir nur noch einigen Dingos, die sich über unsere Anwesenheit wahrscheinlich genauso wunderten wie wir uns über den Ort unseres Nachtlagers. Dann tauchte endlich das Schild des George Gill Hiltons vor uns auf.

Wieder fanden wir fixmontierte Zelte vor, sechs an der Zahl jeweils für vier Personen. Eine Feuerstelle befand sich in der Mitte. Als erstes musste das gesammelte Holz abgeladen und Feuer gemacht werden. Die jungen Burschen, die schon vom Holzsammeln voll Dreck waren, genossen es, das Feuer zu entzünden. Währenddessen legte Yvette Hühnerstücke in große gußeiserne Töpfe und übergoß sie mit einem Glas Honig und verschiedenen Gewürzen. In einen anderen Topf kamen Kartoffel. Wir suchten nach unseren gekennzeichneten Schlafsäcken und bereiteten unser Nachtlager. Seppi und Peter hatten wieder ein Zelt für sich. Seppi meinte nur: "Ich habe keine Frau mehr, Koffer sollte ich auch keinen haben und jetzt wollen sie mir den Schnaps auch noch wegnehmen!" In der Zwischenzeit war es finster geworden. Yvette trug die schweren Töpfe zum Feuer und stellte sie in die Glut. Wir alle saßen um das Lagerfeuer und schauten hungrig zu, wie das Essen gar wurde. Es war ein interessanter Weg, das Leben zu genießen. Einzige Sorge war, der weite Weg zum Container, wo die Toiletten und die Duschen untergebracht waren. Australien und diese Art zu reisen ist wirklich nichts für "Weicheier". Wer sich fürchtet oder Unannehmlichkeiten nicht in kauf nehmen will, ist hier einfach fehl am Platz. Wie schön wird es wieder zu Hause sein! Dann weiß man erst, was man zurückgelassen hat.

Nachdem wir unseren Aperitif getrunken hatten, war das Essen auch fertig. Erstaunlicher Weise hatte Yvette mit sehr wenigen Zutaten ein köstliches Mahl für uns zubereitet. Alle waren begeistert vom Inhalt der tonnenschweren Töpfe. Ich meine das auch so. Peter und ich hatten unseren letzten offizielen Küchendienst und die Töpfe waren so schwer, dass wir Mühe hatten, sie abzuwaschen. Nach getaner Arbeit konnten wir uns noch einen am Lagerfeuer genehmigen. Etwas Anderes gab es hier in der Wildnis nicht zu tun. Schon bald zogen sich alle zurück und um 22:00 Uhr war Frieden im Lager. Es war schön, die Sterne zu beobachten und von der Ruhe des Outbacks gefangen genommen zu werden.
Posted by Fegoesoz 02:04 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

























