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Australia

Den Rock hautnah erleben

overcast 25 °C

Den Rock hautnah erleben (circa 400 km)
21. November 2008

Ein Urlaub zum Ausschlafen war das wirklich nicht. Nach dem alten Sprichwort "In der Früh muss man den Tag suchen" war die Abfahrt zur Sonnenaufgangsparty über den Ayers Rock oder wie er in der Sprache der Einheimischen heisst den "Uluru" um 5:00 Uhr. Nachdem wir aber alle froh waren, die Nacht des Strums heil überstanden zu haben, waren wir voller Erwartung, was der neue Tag bringen würde. Obwohl wir so früh unterweges waren, waren wir bei Weitem nicht die ersten am Parkplatz. Wir mussten einige Zeit einen Platz suchen, wo wir unseren Bus samt Anhänger abstellen konnten. Während Yvette alles für das Frühstück vorbereitete, suchten wir nach guten Plätzen, um unsere Fotos zu schießen. Noch lag der Rock im Schatten, aber der Himmel war wolkenlos. Wir wandten der Sonne unseren Rücken zu, denn auch hier war es wieder schön, zuzusehen, wie die Strahlen der Sonne auf den Stein treffen und ihm eine andere Farbe geben. Und es war tatsächlich ein außergewöhnliches Erlebnis, dabei zu sein, wie sich der Uluru im Morgenlicht von rot bis orange verfärbte.

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Es war noch kühl so früh am morgen. Wir waren froh, unsere Jacken angezogen zu haben, obwohl sie vor lauter Dreck schon selber stehen konnten. Aber es ist wirklich so, wie Eva uns gesagt hatte, alles verfärbt sich rot in dieser Gegend und passt sich der Landschaft an. So auch wir. Vorerst fuhren wir zum Mala-Walk-Parkplatz. Hier konnte sich jeder entscheiden, ob er den Stein besteigen oder ob er ihn umwandern würde. "The Climb" war heute offen. Die Aboriginies haben keine Freude mit den Ameisen, die den Gipfel ihres Heiligtums erstürmen. Deshalb ist der "Climb" auch an Tagen closed, wenn die Aboriginies feierliche Zeremonien haben, Regen innerhalb der nächsten drei Stunden vorhergesagt ist oder ein starker Wind weht. Das Wetter war jedoch herrlich und Peter und ein Holländer aus unserer Gruppen hatten sich entschieden, hoch zu gehen.

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Voraussetzung für die Besteigung des Ayers Rock ist eine gute Kondition, Wanderschuhe und zwei Liter Trinkwasser. Yvette machte wieder eine Rucksackkontrolle bei Peter. Noch war es früh und der gesamte Wanderweg, der entlang einer weißen Kette nach oben führt, lag im Schatten. Doch wenn die Sonne auf den Stein trifft, wird die Hitze unerträglich und um die Mittagszeit wird der Aufstieg gesperrt. Wir schauten noch zu, wie Peter den ersten Teil der Strecke aufrecht überwand. Viele Japaner steigen bereits mit Handschuhen bewaffnet aus dem Bus und kriechen schon den ersten Teil des Weges auf allen Vieren nach oben.

Wir hatten uns entschlossen den etwa 10 km langen Base Walk Rundweg um den Stein zu machen und so den Rock hautnah zu erleben. Es war mittlerweile 7:00 Uhr geworden. Yvette würde uns um ca. 9:00 Uhr am Parkplatz erwarten. Auch wir hatten Trinkwasser dabei und unseren Safarihut mit Netz, denn mit der Sonne würden auch die Fliegen erwachen. Rund um den Stein war es sehr grün. Es hatte ja geregnet. Auf dem roten Rock sieht man immer wieder schwarze Striche. Das rührt daher, dass an diesen Stellen bei Regenwetter gigantische Wasserfälle zu Tal stürzen. Es gibt auch einige natürliche Wasserlöcher am Grund des Steins. Deshalb haben sich hier die Anangus Aborigines viel aufgehalten. Der Stein hat auch nicht immer eine glatte Oberfläche, wie man bei der Betrachtung aus der Ferne annehmen würde. An einer Stelle bilden Löcher ein Muster in der Form des Kopfes eines Urmenschen. Von der Schmalseite sieht er eher aus, wie ein Haufen Pudding.

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Seppi und ich humpelten im Duett. Er hatte starke Schmerzen in seiner Hüfte - ich noch immer ein wenig in meiner Wade. An einem der Wasserlöcher konnten wir auf schönen, aus Eukalyptusbaumstämmen gezimmerten Bänken etwas ausrasten. Danach besichtigten wir noch die Höhlenmalereien. Trotz unserer leichten Behinderung konnten wir den Rundgang in der vorhergesehenen Zeit schaffen. Als wir eintrafen, kam Peter auch gerade von seiner Tour zurück. Er hatte die 350 Höhenmeter in etwa einer dreiviertel Stunde geschafft und konnte noch aufrecht den Abstieg antreten. Vielen Touristen fehlt die Kondition für den Abstieg oder sie haben Angst, den steilen Abhang hinunter zu sehen. Deshalb bewältigen Etliche den Abstieg im Rückwärtsgang oder wenn es gar nicht mehr geht, auf ihrem Hinterteil. Peter hatte einer Dame dabei zugesehen und bemerkt: " Bis die unten ist, kann sie keinen Arsch mehr haben".

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Nachdem wir im Nationalparkzentrum einen Toilettenstopp gemacht und die kunstvoll hergestellten Arbeiten der Aborigenes besichtigt hatten, begann die halbstündige Fahrt zum zweiten Teil des Nationalparks - zu den Kata Tjuta (was in der Sprache der Aborginies soviel wie "viele Köpfe" bedeutet). Die 36 Kuppeln der Olgas ragen 32 Kilometer westlich vom Ayers Rock aus der wüstenhaften Ebene heraus. Die höchste Kuppel ist der Mount Olga mit 1.066 m Seehöhe. Zur Erklimmung eines Gipfels müsste man 546 Höhenmeter überwinden. Dies ist jedoch verboten. Es gibt nur einen Wanderweg durch das Heiligtum im Valley of the Winds. Ein kurzen Spaziergang, den wir unternahmen, führt als Sackgasse zwischen zwei Köpfen zu einem heiligen Platz der Männer. Hier wächst ein bestimmter Baum, aus dem Sperre produziert wurden.

Auf dem Rückweg zum Camp umrundeten wir den Ayers Rock zum letzten Mal, diesmal in der Mittagssonne. Der Stein ist mit vielen Geschichten aus der Traumzeit verbunden. Auch wir mussten noch die Reste unserer Träume beseitigen. Während Yvette mit einem Teil der Gruppe das Mittagessen vorbereitete, kehrte ich den Sand, den das Sandmännlein dagelassen hatte, aus unseren Zelten. Es war eine aufregende Nacht gewesen und für mich etwas total anderes. Ich bin ja eigentlich kein Freund von Campen, aber hier in dieser Gegend in der Nähe eines Ortes mit soviel Ausstrahlung war es ein besonderes Erlebnis gewesen. Yvette hatte mir schon verraten, dass das Camp in dem wir die heutige Nacht verbringen würden, etwas schlichter als dieses wäre. Also, wer weiß, was uns da erwarten würde.

Als wir die Reste des Vortages als Mittagsmahl verspeist hatten, setzte sich der Bus in östlicher Richtung in Bewegung. Kurz machten wir nochmals an einem Rastplatz mit Blick auf den Mount Conner halt. Von den Aborigines wird er auch Attila genannt und gilt als das Zuhause des Eismannes, welcher dafür sorgt, dass die Temperaturen im Winter Nachtsüber auch unter dem Gefrierpunkt fallen können. Allerdings war es gerade so heiß, dass man leicht Spiegeleier auf der Motorhaube hätte machen können. Auf der anderen Straßenseite führte ein Weg über die Sanddünen zu einem der vielen Salzseen, die es hier in der Gegend gibt. Zum See gibt es eine Geschichte über zwei Brüder, die sich am Abend zu Bett gelegt hatten. Einer davon ist in der Nacht verstorben und bildet heute eine Insel im Salzsee, der aus den Tränen des trauernden hinterbliebenen Bruders entstanden war.

Endlich hatten wir dann wieder den Stuart Highway erreicht und dann ging es nur mehr dem Norden zu. Wir machten nur noch einen kurzen Stopp auf dem Highway, um Brennholz zu sammeln. Klingt komisch! Aber wer nicht half handstarkes Holz zu sammeln, würde kein Abendessen bekommen. Denn es sollte am Lagerfeuer gekocht werden. Unsere Jungs aus aller Welt hatten richtig Spaß daran und zerrten sogar einen umgefallenen Baum aus dem Gebüsch. Da es leider keine Säge oder Hacke gab, warfen sie den Baum auf den Asphalt des Highways, in der Hoffnung, dass er auseinander brechen würde. Ja, richtig gehört - auf den Highway. Bei der Anzahl an Autos, die hier vorbeikommt, hat man sogar Zeit, auf der Straße Bäume zu zertrümmern.

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Das Feuerholz wurde auf das Dach des Trailers geschlichtet. Danach setzten wir unsere Fahrt ins Camp fort. Unterwegs sahen wir noch wilde Pferde und Dingos. Sie sind die einheimischen "Wildhunde". Sie sehen einem Hund wirklich sehr ähnlich. Einen konnten wir sogar dabei beobachten, wie er gerade im Schatten eines Busches seine erlegte Beute verzerrte.

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Dann tauchten auch schon die Ausläufer der 60 km langen George Gill Ranges auf. Bald würden wir den Highway verlassen und auf einer schmalen Nebenstraße zu unserem Camp am Rande des Kings Canyon Nationalparks fahren. Die über 100 m hohen Felswände des Kings Canyons lagen im wunderschönen Abendlicht getaucht vor uns. Wir hatten den Kings Canyon Resort erreicht, in dem Yvette in der letzten Woche mit einer Gruppe einige Tage lang eingesperrt war. Die starken Regenfälle hatten ein Verlassen der Schlucht unmöglich gemacht. Auch mussten sie das Zeltlager verlassen und Schutz im Resort suchen. Trotz der Unannehmlichkeiten war es beeindruckend gewesen, dem seltenen Naturschauspiel beizuwohnen. Während eines Helikopterflugs konnten sie sich vom Ausmaß der Katastrophe informieren.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig ins Resort, bevor die Tankstelle und der kleine Laden schloß, in dem wir unseren und Yvette den Durst des Busses stillen konnten. Durch die Sanddünen lenkte sie den Bus sehr geschickt ins "Nichts". Wir waren mitten in der Australischen Steppe, einige Kilometer vom Resort entfernt. Eigentlich hatten wir vor, uns am Abend noch etwas in der Bar zu vergnügen, aber den Weg durch diese Wildnis würden wir wohl nie mehr finden. Hier begegneten wir nur noch einigen Dingos, die sich über unsere Anwesenheit wahrscheinlich genauso wunderten wie wir uns über den Ort unseres Nachtlagers. Dann tauchte endlich das Schild des George Gill Hiltons vor uns auf.

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Wieder fanden wir fixmontierte Zelte vor, sechs an der Zahl jeweils für vier Personen. Eine Feuerstelle befand sich in der Mitte. Als erstes musste das gesammelte Holz abgeladen und Feuer gemacht werden. Die jungen Burschen, die schon vom Holzsammeln voll Dreck waren, genossen es, das Feuer zu entzünden. Währenddessen legte Yvette Hühnerstücke in große gußeiserne Töpfe und übergoß sie mit einem Glas Honig und verschiedenen Gewürzen. In einen anderen Topf kamen Kartoffel. Wir suchten nach unseren gekennzeichneten Schlafsäcken und bereiteten unser Nachtlager. Seppi und Peter hatten wieder ein Zelt für sich. Seppi meinte nur: "Ich habe keine Frau mehr, Koffer sollte ich auch keinen haben und jetzt wollen sie mir den Schnaps auch noch wegnehmen!" In der Zwischenzeit war es finster geworden. Yvette trug die schweren Töpfe zum Feuer und stellte sie in die Glut. Wir alle saßen um das Lagerfeuer und schauten hungrig zu, wie das Essen gar wurde. Es war ein interessanter Weg, das Leben zu genießen. Einzige Sorge war, der weite Weg zum Container, wo die Toiletten und die Duschen untergebracht waren. Australien und diese Art zu reisen ist wirklich nichts für "Weicheier". Wer sich fürchtet oder Unannehmlichkeiten nicht in kauf nehmen will, ist hier einfach fehl am Platz. Wie schön wird es wieder zu Hause sein! Dann weiß man erst, was man zurückgelassen hat.

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Nachdem wir unseren Aperitif getrunken hatten, war das Essen auch fertig. Erstaunlicher Weise hatte Yvette mit sehr wenigen Zutaten ein köstliches Mahl für uns zubereitet. Alle waren begeistert vom Inhalt der tonnenschweren Töpfe. Ich meine das auch so. Peter und ich hatten unseren letzten offizielen Küchendienst und die Töpfe waren so schwer, dass wir Mühe hatten, sie abzuwaschen. Nach getaner Arbeit konnten wir uns noch einen am Lagerfeuer genehmigen. Etwas Anderes gab es hier in der Wildnis nicht zu tun. Schon bald zogen sich alle zurück und um 22:00 Uhr war Frieden im Lager. Es war schön, die Sterne zu beobachten und von der Ruhe des Outbacks gefangen genommen zu werden.

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We are rocking

sunny 34 °C

20. November 2007
We are rocking (736 km)

Die Nacht war zwar kurz, aber alle waren einhellig der Meinung, dass wir in unserer Höhle der beste Platz zum Schlafen war. Kurz war die Nacht deshalb, weil wir uns entschlossen hatten, bevor wir die über 730 Kilometer lange Reise zum Uluru antreten, einen Sonnenaufgang in aller Stille zu erleben. Um 5:15 Uhr setzte sich unser Bus schon in Bewegung. Ich hatte mir noch vor der Abfahrt einen Tee gekocht und in eine Wasserflasche gefüllt. Sie hatte sich dadurch zwar total verformt, aber ich würde ein lauwarmes, schwarzes Wasser zum matschigen Toastbrot genießen können. Die sogenannten "Breakaways" liegen eine halbe Stunden entfernt von Coober Pedy. Die malerischen Hügel dieser "painted deserts" dienten schon oft als Filmkulisse (Prisilla, Queen of the Desert). In der Finsternis machte Tilly verzweifelte Versuche den Bus zwischen den Schlaglöchern der Schotterpiste unfallfrei hindurch zu lenken. Sicher landeten wir auf einem Parkplatz "in the middle of nowhere". Hier waren wir wirklich mit Gott und der Welt alleine. Yvette sagte uns, dass wir die Stille genießen sollten, denn der für den nächsten Tag am Ayers Rock vorgesehene Sonnenaufgang würde von Touristen masiv gestört werden.

Es war schön, in der Finsternis auf die Geburt des neuen Tages zu warten. Noch war der Himmel nachtblau und nur ein feiner, weißer Strich zeichnete eine Grenze zwischen Himmel und Erde. Danach wurde der weiße Strich immer breiter und man konnte zusehen, wie das zarte Morgenrot die Nacht fraß. Schon bald verfärbte sich der Himmel tiefrot und ein kleiner goldener Schimmer tauchte hinter den Bergen auf. Aus der Halbkugel wurde eine Kugel und schon bald erstrahlte die Sonne in hellem Glanz. Ein neuer Tag ward geboren. Vom Morgenrot war schon bald nichts mehr zu sehen. Stattdessen zeichnete die Sonne mit ihren warmen Strahlen ein eigenartiges Leuchten in die versteinerten Sanddünen der Wüste.

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Nachdem jeder seinen Orangensaft getrunken und seine Cornflakes und Toast mit Butter und Marmelade verspeist hatte, verließen wir diesen schönen Ort. Bis zum nächsten Toilettenstopp würde es circa eineinhalb Stunden dauern. Due to our early departure schliefen bald alle. So auch Yvette, die keine gute Nacht verbracht hatte - wieso sollte sich erst später herausstellen. Sie fragte mich, ob ich nicht vorne bei Tilly sitzen wollte, um mich mit ihr etwas zu unterhalten. Tilly sollte ja nicht einschlafen. Es war sehr interessant vom "Fahrersitz" (nicht vergessen die Fahrzeuge sind linksgesteutert) aus, die Welt zu betrachten. Die Straße ging kilometerlang gerade aus. Der Asphalt war rot eingefärbt; wieso konnte mir keiner sagen. Ich dachte, dass sich die Straße einfach der Farbe der Umgebung angepasst hatte.

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Die Straße kreuzt einen Weidezaun. Dieser "dog fence" hat eine Länge von 5.300 km und ist somit der längste von Menschenhand gebaute Zaun. Er ist fast doppelt so lang wie die Chinesische Mauer und auch vom Mond aus sichtbar. Der etwa zwei Meter hohe Weidezaun wurde erbaut, um die im Süden lebenden Schafherden vor den im Norden lebenden Dingos, den heimischen Wildhunden, zu schützen. Am Straßenrand sah ich eine Warntafel, auf der eine Kuh und ein Schaf abgebildet waren. Die restliche Aufschrift war eigenartiger Weise dreisprachig: Animals On Road (Englisch), komische chinesische Schriftzeichen (sollten wohl dasselbe bedeuten) und Tiere am Weg (Deutsch). Kurz danach stand wieder einmal in the middle of nowhere ein Polizeiauto und kontrollierte wahrscheinlich, ob auch jeder diese Tafel lesen konnte.

In Marla gab endlich wieder eine Roadstation. Marla ist eigentlich kein Ort, hier befindet sich einfach wieder eine Roadstation und die Möglichkeit eines Toilettenstopps. Es gab sogar einen kleinen Laden, in dem man vor allem Dinge, die wichtig für die Gegend sind, kaufen konnte. Hier gab es wunderschöne Safarihüte mit Netz und Hertha, Ute und ich entschlossen uns, einen zu kaufen. Die Fliegenplage sollte ja mit jedem Tag schlimmer werden. Ein kühles Getränk zischte nur so durch die Kehle Richtung Magen und die Füsse auszustrecken tat auch wieder gut, obwohl ich noch etwas Schmerzen hatte und leicht humpelte. Nachdem durch den Stopp alle munter waren, entschied sich Yvette noch etwas weiter nach hinten zu sitzen und sich unter's Volk zu mischen. Jetzt endlich konnte sie am eigenen Leib erfahren, wie es ist, Reiseteilnehmer zu sein. Sie hatte schon wieder ihren Stift in der Hand und startete ein Spiel: Wer kennt alle US-Bundesstaaten? Einer nach dem anderen wurde auf die Fensterscheibe geschrieben. Nachdem man endlich noch die zwei fehlenden Kleinstaaten gefunden hatte, ging man daran, ihre Hauptstädte zu suchen.

So verging die Zeit schnell und wir hielten an der Grenze zwischen den Bundesländern South Australia und Northern Territory. Besonders faszinierte uns dort der Anblick rot blühender Pflanzen, die wir nicht kannten. Yvette sagte uns, dass man sie desert pea - Wüstenerbse - nennen würde, wahrscheinlich der Form ihrer Blätter wegen, die etwas an das Kraut der Erbsen erinnerte. Bis vor einem Jahr gab es in Northern Territory keine Geschwindigkeitsbeschränkungen. Heute warnen direkt nach der Grenze riesige Schilder jedem vor dem Schnellfahren. 110 km/h sind generell erlaubt, außer eine andere Geschwindigkeit ist vorgeschrieben. Auf diesem Teilstück des Stuart Highways waren sogar 130 erlaubt. Bald würden wir uns von Tilly verabschieden müssen. Sie würde uns beim nächsten Halt verlassen. Die Gegend um dem Ayers Rock kennt sie sehr gut - sie hatte in diesem Gebiet seit Monaten Führungen gemacht. Somit war ihre Einschulung durch Yvette beendet. Wir würden am nächsten Stopp frische Verpflegung fassen und Tilly würde auf den nächsten Bus Richtung Alice Springs warten, wo sie auch wohnt. Wir sollten jedoch nicht traurig sein, da wir sie am nächsten Tag mit einer anderen Gruppe zur Mittagspause im Camp in Yulara treffen würden. Da der Sitz vorne jetzt so wieso frei war, setzte ich mich zu Yvette. Welch ein Glück! Denn gerade als wir wegfuhren, lenkte der Fahrer eines Roadtrains sein Gefährt auf den Parkplatz.

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So hatte ich die Exklusivrechte für das Foto des gesamten Roadtrains. Diese Lastwagenkombinationen versorgen den australischen Outback mit allem, was gebraucht wird. Die Zugverbindungen sind rar und so sieht man besonders oft auf der Strecke von Adelaide nach Darwin Zugmaschinen mit bis zu fünf Anhängern. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde wurde der längste Roadtrain im Feber 2006 in Queensland gesichtet. Eine Mack Titan Zugmaschine erreichte mit ihren 112 Anhängern die stattliche Länge von 1.474,30 m. Ein Zug mit dieser Länge darf allerdings nicht am Highway unterwegs sein. Die üblichen Roadtrains mit 4 Anhängern dürfen immerhin mit 100 km/h über die Autobahn flitzen. Sie benötigen allerdings etwa 2 km Bremsweg. Traurige Wahrheit ist, dass deshalb sehr viele verendete Tiere im Straßengraben liegen. Wenn Kuh, Kängaroo, Schaf oder Sonstiges über die Straße läuft, wird nur laut gehupt. Wenn das Vieh entkommt, hat es Glück gehabt. Auch das Überholen dieser über 50 m langen LKW-Züge ist sehr gefährlich. Sie wirbeln viel Staub und Steine auf.

Wir verließen den Stuart Highway für einen Tag. Auf einer schmalen Bundesstraße, dem sogenanten Lasseter Highway, fuhren wir Richtung Westen. Zum Glück fanden wir hier das Mount Ebenezer Roadhouse für unsere Mittagspause, wo wir einen Griller anwarfen und unsere Hamburger garen konnten. Hier bekamen wir die Möglichkeit, einmal eine andere Art von Reisen kennenzulernen. Am Parkplatz entdeckte ich ein Rotel. Dieses sogenannte "rollende Hotel" ist ein Bus mit eingebauten Schlafkabinen - eben so wie im Leichenschauhaus. Von hier aus würden wir nur noch zwei Stunden bis ins Yulara Camp fahren. Von Weitem sah man schon den 859 m hohen Mount Conner, einen plattgedrückten Tafelberg, der auch den Spitznamen "Fooler Rock" hat, weil er den Betrachter vortäuscht, der Ayers Rock zu sein. Ebenso ist er unter dem Namen Tooth Brush (Zahnbürste) bekannt, weil er so wie die Borsten einer riesigen, liegengelassenen Zahnbürste aussieht. Dieser 5 km lange und 2 km breite Inselberg besteht aus demselben Gestein wie der Uluru und Kata Tjuta.

Wir waren alle schon sehr gespannt auf den ersten Blick auf den Ayers Rock. Ich bat Yvette die laufende Rockmusik gegen etwas Australisches auszutauschen, um uns ein bisschen auf diesen heiligsten Ort der Arboriginals aus der Traumzeit einzustimmen. Dann endlich, hinter den Sanddünen tauchte "er" auf - der Rock - und mit ihm die ersten Regentropfen. Graue Wolken zogen auf und ließen seinen Anblick noch mystischer auf uns wirken. Vorerst aber erreichten wir Yulara, eine Stadt mit 2.000 Einwohnern, die 1984 aus der Wüste gestampft wurde. Diese Stadt, die extra nur für Touristen gebaut wurde, ist mit ihren 2.000 Einwohnern die fünfgrößte im Northern Territory. Dann kann man sich vorstellen, wie groß die anderen Orte sind. Nachdem wir getankt hatten (übrigens mit 176,9 cent der teuerste Diesel, den wir in Australien getankt hatten) trafen wir gegen 17:00 Uhr bei Regenwetter im Camp ein.

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Wir waren alle schon so neugierig, wie das Leben in den Zelten werden würde. Das Camp bestand aus einem Speisesaal aus Fliegengitterfenstern und einer kleinen Kochecke. Außerdem gab es sechs fix aufgestellte Zelte für jeweils vier Personen. Hertha, Ute, Verena und ich nahmen eines der mittleren Zelte unter Beschlag. Seppi und Peter entschlossen sich für eines zwei Zelte weiter und waren voller Erwartung, wer die Nacht mit ihnen verbringen würde.

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Die Zelte hatten vier Holzpritschen mit blauen Plastikmatrazen. Ich hatte eigentlich schon Angst davor gehabt, am Boden mit sonstigen Getier übernachten zu müssen. Aber für Besichtigung gab es jetzt keine Zeit. Wir mussten nur schnell die Lebenmittel im Kühlscharnk verstauen und schon besteigen wir wieder den Bus. Die schwarzen Wolken hingen immer noch tief und die ersten Blicke auf einen der Höhepunkte unserer Reise war sehr trüb. Yvette machte uns aber Hoffnung und sagte, dass es nie drei Stunden durchregnet. Der erste Fotostopp und die ersten Bilder wurden etwas widerwillig gemacht, aber wir hatten ja noch Zeit bis zum Sonnenuntergang.

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Vorerst blieben wir auf dem Parkplatz stehen, von dem aus man den Rock besteigen kann. Dort startet der Mala-Walk. Wir sollten zuerst mal etwas über die Geschichte der Anangus-Aboriginals hören und verstehen lernen, was ihnen dieser Felsen bedeutet, um in uns gehen zu können und jeder für sich die Entscheidung treffen zu können, ob wir dieses Heiligtum der Aboriginals am nächsten Morgen auch wirklich besteigen wollten. Doch nun kurz zur Geschichte der Mala: "Die Mala kamen zum Uluru für ein Inma, eine religiöse Zeremonie. Kurz nach dem Beginn der Zeremonie erhielten sie von Leuten aus dem Westen die Einladung zu einer anderen Inma, die sie jedoch ablehnen mussten, nachdem ihre eigene Zeremonie bereits begonnen hatte. Die Leute aus dem Westen wurden deshalb sehr wütend auf die Mala, und schickten eine hundeähnliche Schreckensgestalt, Kurpany, um sich an den Mala zu rächen. Nachdem die Warnung einer Mala, Luunpa, von den anderen ignoriert wurde, konnte Kurpany die Mala attackieren und viele Mala töten. Die restlichen flohen nach Süden und wurden von Kurpany verfolgt. " (aus Wikipedia)

Wir folgten Yvette zu einer Stelle, in der der Felsen Löcher hat, die in der Form einer Hundegestalt angeordnet sind - angeblich die Reste von Kurpany. Dann kamen wir zu einem überhängenden Felsen - die sogenannte Küche. An dieser Stelle des Rocks hatte sich die Vegetation geändert. Die Desert Oak zählt zu den höchsten Bäumen der Wüste. Da es gerade geregnet hatte, trugen ihre ausladenen Kronen frisches Blattwerk. Wo die Vegetation hoch wächst, war Frauengebiet. Hier konnten sie Lebensmittel sammeln und in der Küche verarbeiten. Auf dieser Seite des Felsens gibt es auch etliche Felsmalereien. Nur wenige dieser Stellen sind jedoch bekannt und auch für Touristen zugänglich. Die Geheimnisse der Traumzeit werden von den Anangus gut gehütet. Es gibt auch etliche Stelle, wo auf Schildern gebeten wird, nicht zu fotografieren. Ich glaube, man sollte dieses Heiligtum und die Lebensweise der Ureinwohner respektieren.

Der einstündige Spaziergang tat nach der langen Fahrt gut und ich spürte kaum noch Schmerzen in meinem Bein. Als wir zum Parkplatz zurückkehrten, war der Himmel wieder blau geworden. Da uns noch etwas Zeit bis zum Sonnenuntergang blieb, umfuhren wir den 348m hohen Sandsteinmonolithen. Doch dies ist nur die Spitze , der Rest, bis zu sechstausend Meter tief, liegt unter der Oberfläche. Der Uluru ist etwa 3,0 km lang, bis zu 2,0 km breit und hat einen Umfang von rund 10 km. Der Gipfel befindet sich auf einer absoluten Höhe von 869 m und hebt sich damit rund 350 m von der Dünenlandschaft Zentralaustraliens ab. Sein schieres Ausmaß macht diesen Monolith zu einer geologischen Sehenwürdigkeit. Besser bekannt ist er unter dem Namen Ayers Rock. 1871 erhielt der Uluru vom Europäischen Entdecker William Gosse den Namen Ayers Rock, benannt nach Sir Henry Ayer, Premierminister von South Australia.

"Der erst 1958 ausgewiesene 126.000 ha große Uluru Nationalpark umfasst nicht nur den rostroten Ayers Rock, sondern auch die einige Kilometer abseits gelegene und die sich ebenfalls in rotbraunen Farbtönen darbietende Felsgruppe der Olgas. Da besonders der Ayers Rock mit seinen verschiedenen heiligen Stätten einen wichtigen Platz in der Mythologie der australischen Ureinwohner einnimmt, hat man das ganze Gebiet 1985 an die Pitjantjatjara-Aborigines zurückgegeben. Daher lautet der offizielle Name in der Sprache der Pitjantjatjara "Uluru", was allerdings den geläufigen Namen "Ayers Rock" nicht verdrängen konnte. Im Gegenzug haben die Ureinwohner den Felsen für 99 Jahre an die Australian National Park & Wildlife Service zur touristischen Nutzung verliehen. Seitdem wird der Nationalpark gemeinschaftlich vom Park Service und den Vertretern der Aborigines verwaltet. Von den ursprünglich über 2.000 hier ansässigen Ureinwohnern sind die meisten verschwunden oder sie leben in den so genannten Outstations und haben kaum Anteil am einträglichen Touristengeschäft. 1987 hat die UNESCO den Park in die "World Heritage List" aufgenommen, seither genießt er durch seine einzigartigen Naturdenkmäler sowie seinen Tier- und Pflanzenreichtum weltweiten Schutz." (Auszug aus Australiens Sehenswürdigkeiten)

Worin dieser Schutz besteht, sollten wir bald kennenlernen. Die Sonne stand schon tief und am Parkplatz des Sunset Viewing Areas standen jetzt Hunderte Busse und Autos. Überall waren die Deckel der Kofferräume offen. Tische wurden ausgeladen und mit weißen Tischdecken belegt. Auch wir trugen eine große Kühlbox auf einen kleinen Hügel, von dem aus der Sonnenuntergang besonders gut beobachtet werden konnte. Eigenlich beobachtet man hier nicht die Sonne, sondern wie sich die Farbe des Steins mit der Sonnenstand verändert. In unserer Kühlbox befanden sich einige Flaschen Sekt, Becher (wie vornehm!), einige Dosen Dips und eine breite Auswahl an verschiedensten Chips und Crackers. Natürlich musste auf einen wunderschönen Sonnenuntergang angestoßen werden. Zu Yvette gesellten sich einige ihrer Kollegen von OZExperience und alle umarmten sie sehr herzlich. So fanden wir heraus, dass sie heute Geburtstag hatte. Natürlich ließen wir sie hochleben. Das erklärte auch, warum sie bis Mittag geschlafen hatte. Sie hatte anscheinend am Vorabend die Gelegenheit zum Feiern genutzt, da Tilly heute noch gefahren war.

Währendessen mussten wir aber immer wieder einen Blick auf den Rock werfen. Das Farbenspiel war faszinierend. Da der eisenhältige Stein durch den Regen noch etwas nass war, hatte er einen besonders schönen Glanz. Seine rote Farbe kam durch die weißen Wolken im Hintergrund noch besser zur Geltung. Je tiefer die Sonne sank, desto breiter wurden die Schatten, die die Falten dieses Riesen warfen. Bevor die Sonne dann die Erde berührte, nahm der Rock eine tieflila Farbe an. Auch in den Wolken des Himmels spiegelten sich diese Farben wider.

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Nachdem wir noch ein Gruppenfoto gemacht hatten, verstauten wir die Reste unseres Aperitivs in die Kühlbox. Auf der Fahrt ins Camp stimmten wir natürlich das Lied "We are Rocking" an und dabei konnten wir dann noch einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten. Einziger Nachteil: Es war jetzt stockfinster! Wieder würden wir unsere Taschenlampen benötigen. Keiner von uns hatte sein Nachtlager hergerichtet. Yvette musste erst denn Griller einheizen. Zur Feier des Tages gab es Steaks. Die Herrn waren so freundlich, das Grillen zu übernehmen. Von Dach des Busses holten wir in der Zwischenzeit die geliehenen Schlafsäcke. Als ich unser Zelt betrat, durchsuchte ich mein Nachtlager zuerst mal nach Tieren und breitete dann den Schlafsack auf der Plastikmatraze aus. In den Schlafsack legte ich meinen Hüttenschlafsack und obendrauf kam noch meine Decke, die mich schon auf der ganzen Welt begleitet hatte. Ich hatte so den leisen Verdacht, dass es hier in der Wüste des Nacht recht kalt werden könnte. Schnell noch musste ich den Weg zu den sanitären Anlagen suchen. Die Duschen und Klos waren zwar sehr sauber und in ausreichender Anzahl vorhanden, aber doch ein Stück des Weges durch die australische Steppe entfernt.

Nachdem wir unser Desinfektionsmittel vernichtet hatten, waren die Steaks mit den Salaten auch schon fertig. Nach dem langen Tag schmeckte das Essen einfach köstlich. Dazu gab es ein Cola aus dem Automaten. Hier kommt keiner Kellnerin vorbei, die Getränkewünsche aufnimmt. Welch Unterschied zu den Nationalparklodges in den USA! Unweit unseres Camps gab es allerdings auch eine solche "vornehme" Lodge. Eine Nacht dort kostet allerdings ein kleines Vermögen. Hier war es allerdings richtig gemütlich. Nachdem die Küche sauber war, gingen die meisten nach draußen. Einige wollten das Schlafen in sogenannten "Swags" versuchen. Dieser "tragbare Unterschlupf" besteht aus wasserdichtem Material, einer dicken Matte und einem Kopfteil, den man bei Schlechtwetter oder Wind schließen kann. Hertha, sowie etwa die Hälfte der Reiseteilnehmer, entschloss sich unterm Sternenhimmel vor unserer Zelttür zu übernachten.

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Ich war froh, dass ich das Notwendigste in meinen Rucksack gespackt hatte und nicht den Koffer mit ins Zelt nehmen musste. Hier war ja wirklich kein Platz mehr. Wir gingen noch geschlossen mit unseren Taschenlampen zum Duschen und hofften, dass wir nicht während der Nacht die Toiletten würden aufsuchen müssen. Danach zog ich meinen Trainingsanzug und dicke Socken an und schlüpfte in meinen Schlafsack, in der Hoffnung während der Nacht keine Besucher empfangen zu müssen. Ich muss aber gestehen, dass ich mich in meinem kuscheligen Schlafsack sehr wohl fühlte und den Blick auf den einzigartigen Sternenhimmel sehr genoß. Wir waren ja schon nahe am Wendekreis des Steinbocks, wo man besonders viele Sternbilder ausmachen kann.

Während der Nacht wurde ich dann durch einen Windsturm geweckt. Ich stand auf und wollte das Zelt dicht machen, doch leider konnte sich die Knöpfe nicht lösen. So zog ich mir noch eine Jacke mit Kapuzze an und zog sie über meinen Kopf. Hertha lag noch immer draußen. Wir dachten schon, dass der Wind das ganze Zelt losreisen würde, aber zum Glück war es sehr gut verankert. Irgenwann schlossen wir dann die Tür. Hertha's Klopfen hörte dann leider niemand mehr und so war sie gezwungen, die ganze Nacht im Freien zu verbringen. Sicher wird diese Nacht für uns alle eine unvergesslich bleiben.

Posted by Fegoesoz 01:58 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

Wir verkehren ab jetzt im Untergrund

sunny 31 °C

Um 5:45 Uhr hatten unsere drei starken Männer schon wieder mit großer Sorgfalt das ganze Gepäck in den Trailer geschlichtet. Wir nahmen einen schnellen Bissen zum Frühstück und begaben uns gleich in den Bus, um noch einen halbwegs vernünftigen Platz zu ergattern. Die Plätze sollten jeden Tag gewechselt werden, damit man die Reise immer aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und damit man immer einen neuen Sitznachbarn zum plaudern hat. Diesmal waren aber nur die Sitze in der letzten Reihe übriggeblieben. Aber auch von hier ist die Aussicht sehr gut. Als ich den Bus verließ, spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem rechten Waden. Ich wollte aufschreien. Da dachte ich an Edeltraud, bei der es auch so begann. Sie sagte mir, dass man weitergehen müsste, ohne auf den Schmerz zu achten. Da noch etwas Zeit bis zur Abfahrt war, humpelte ich bis hinter die Baracken. Tränen stiegen mir in die Augen. Als ich mich umdrehte, hatte ich Angst, es nicht mehr zum Bus zurück zu schaffen. Jetzt hieß es Zähne zusammen beißen und durch.

Ich schaffte es zum Bus, stieg ein und setzte mich. Beim Sitzen tat der Fuß nicht weh. Es war gut, dass wir an diesem Tag sehr viele Kilometer zurück zu legen hatten und keine Wanderung auf dem Plan stand. So konnte ich meinen Fuss etwas schonen. Auf einmal herrschte große Aufregung im Bus. Wir kamen an einer einsamen Farm vorbei. Wirklich die einzige weit und breit. Hier wurden Teile des Films "Wolf Creek" gedreht. Der Film handelt von drei Jugendlichen, die den Wolf Creek Nationalpark besuchen und auf dem Heimweg mit ihrer alten Karre eine Panne haben. Ein älterer Mann kommt vorbei und bietet ihnen Hilfe an. Da die Nacht hereinbricht, bietet er ihnen an, in seinem Haus zu übernachten. Der Thriller endet mit viel Blut. Immer wieder treffen wir in diesem Teil des Landes auf Filmdrehorte. Die Gegend ist landschaftlich schön, sehr einsam und unwirklich.

Wir fahren über Hawker und Quorn zurück nach Port Augusta. Schon von Weitem sah man die hohen Schlotte des großen Kohlekraftwerkes. Bis hierher führen auch die Gleise der Pichi Richi Railway und der Transaustralischen Eisenbahn, mit der die Kohle aus dem Hinterland angeliefert wird. Die Stadt wurde 1852 gegründet und nach der Frau des damaligen Gouverneurs benannt. Heute ist die Stadt Verkehrsknotenpunkt und hat etwa 15.000 Einwohner. Mit Port Augusta hatten wir auch wieder "Wasser in Sicht", denn die Stadt liegt nahe am Naturhafen im Spencer Golf. Heute führen gutausgebaute Autobahnen - Eyre Highway in östliche Richtung und der Stuart Highway in den Norden - in alle Richtungen. Früher war es viel beschwerlicher die 3.000 km von Adelaide nach Darwin zurückzulegen. Ein schottischer Ingeneuer dachte, dass es in der Mitte des Landes einen großen Inlandssee geben müsste. Da die Kommunikation mit dem Mutterland England über drei Monate dauerte, musste unbedingt ein kürzerer Weg für eine Telegraphenleitung gefunden werden.

Der Schotte belud in Adelaide seine Wagen mit Lebensmittel und startete die Reise in den Norden, um auszuprobieren, wie lange der Vorrat reichen würde. Dieser erste Zug kam bis kurz nach Alice Springs. Danach wurde die Vegetation so dicht, dass an ein Weiterkommen nicht zu denken war und sie umkehren mussten. Erst beim zweiten Mal nach 33 Monaten und 3.000 zurückgelegten Kilometern schafften sie 1862 die Reise bis in den Norden. Stuart wurde allerdings krank und starb 1865 in Adelaide. 1872 wurde die Telegrafenleitung von Adelaide über Alice Springs nach Darwin fertiggestellt. Vier der ursprünglichen Telegraphenstationen können auch heute noch besichtigt werden. Seit 1987 ist der Highway erst durchgehend asphaltiert. Die Autobahn - eigentlich mehr eine breite Bundesstraße - führt durch flaches Buschland und Halbwüste. Nur manchmal tauchen Berge in der Form des südafrikanischen Tafelbergs auf.

Diese unwirkliche Gegend, die wir jetzt durchquerten, war bis 1982 militärisches Sperrgebiet. Sieben Atombomben wurden hier getestet. Es gibt bei den 300 Einwohnern eine außergewöhnlich hohe Rate an Missbildungen. Heute ist die Stadt noch immer ein Militärstützpunkt und eine in sich geschlossene Stadt mit Geschäften, Fußballplatz und Kino. Viele Bauparzellen wurden aufgeschlossen und Gehsteige mit Straßenlaternen in die Wüste gebaut. Doch keiner wollte sich hier ansiedeln. Heute gibt es hier ein grosses Asylantenheim. Wir schauten uns ein wenig um bei den ausgedienten Raketen und im Museum der Stadt. Doch sehr wohl und willkommen fühlten wir uns nicht. Alle waren froh, diesen unwirtlichen Ort wieder verlassen zu können. Aber später sollte sich herausstellen, dass die nächsten Orte noch kleiner sein würden.

Als wir mit dem Bus weiterfuhren, hatten wir das Gefühl in der Ferne Schnee zu sehen. Doch bald wurde das Rätsel gelöst. Im großen arthesischen Becken im Inneren Australiens liegen die riesigen Salzpfannen des Lake Eyre, Lake Torrens, Lake Frome und Lake Gairdner, die circa ein Sechstel des Landes bedecken. All diese Seen sind Überreste eines riesigen Binnensees. Wir machten allerdings an einem der kleineren Salzseen Halt. Lake Hart ist eine Depression und liegt zehn Meter unter dem Meeresspiegel. Ich hatte Mühe aus dem Bus auszusteigen. Meine Wade schmerzte bei jedem Schritt gewaltig. Jetzt erst merkte ich, wie schwierig es wohl sein würde, mit zunehmenden Alter zu verreisen. Es ist nicht schön, allen anderen nachzuhinken. Ich ging nur ein Stück des Weges Richtung See. Es ging abwärts und ich fürchtete mich schon ein bißchen vor der leichten Steigung des Rückwegs. Deshalb machte ich mein Foto nur mit dem Teleobjektiv und machte mich auf den Rückweg. Die anderen machten einen Spaziergang am ausgetrockneten See, der mit Salzkristallen weiß nerblüht war. Mit jedem Schritt sank man ein und hinterließ seine Spuren. Außerdem war die Hitze hier zum ersten Mal unerträglich. Was aber noch schrecklicher war als die Hitze, waren die Tausenden von Fliegen, die sich auf die hier selten vorbeikommenden Touristen stürzten. Leider hatten wir nicht daran gedacht, unsere Fliegennetze mitzunehmen.

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Gut, dass die Klimaanlage im Bus so gut funktionierte. Nach einem Schluck Wasser fühlten wir uns auch gleich wieder wohler. Kaum hatten wir uns etwas abgekühlt, mussten wir den Bus auch schon wieder verlassen. Mittagspause wurde bei einer Roadstation gemacht. Einladende Autobahnraststationen gibt es in diesem Lande leider nicht. Die "Roadstation" ist vergleichbar mit einer unserer Sennhütten. Sie haben den Zweck, Leuten als Behausung zu dienen, die die Tiere der umliegenden Farmen hüten. Gleichzeitig betreiben sie eine Tankstelle und einen kleinen Laden. Wenn man Glück hat, gibt es zwar keine kuhwarme Milch, aber einen Kaffee aus dem Automaten. Wir aber warfen heute in der Hitze zur Abwechslung mal nicht dem Griller an, sondern belegten unseren Toast mit etwas Schinken, Aufschnittwurst, Käse, Tomaten und Salat. Als wir die Roadstation verließen, kamen wir an der Ortstafel vorbei. Die war mit ihren Aufschriften so sehenswert, dass sie fotographiert werden musste:

GLENDAMBO
Seehöhe 150 m
Einwohnerzahl
Schafe 22.500
Fliegen 2.000.000
Menschen 30

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Bei unserem Stopp in Port Augusta am Morgen hatten wir uns eine Straßenkarte gekauft, weil wir endlich wissen wollten, wo wir uns befanden. Dieser Teil des Landes wird von den Einheimischen "never never" genannt. Jetzt begannen wir allmählich zu verstehen warum. Auf der Landkarte war für über 250 Kilometer kein Ort eingezeichnet. Wir befanden uns in der Wüste. Die Erde war rot und immer wieder sah man grüne Büsche und Steppengras. Eigentlich hatte ich allen auf dieser Strecke das große "Nichts" versprochen. Aber die schweren Regenfälle der vergangenen Wochen hatten mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon ein paar Tropfen Wasser bringen sattes Grün in die Dürre der Natur. Yvette sagte uns auch, dass wir uns in keiner richtigen Wüste befanden, sondern nur in einer Halbwüste. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge übersteigt jene einer Wüste. Aber die Weite und die Schäfchenwolken am Himmel ließen eine märchenhafte Postkartenlandschaft entstehen. Überall sah man eigenartige Hügel. Sie waren zu hoch für Maulwurfshügel, aber so etwas ähnliches waren sie doch. Wir befanden uns schon in der Nähe von Coober Pedy. In dieser Minenstadt wird nach Opalen gegraben. Das Aushubmaterial wird aufgeschüttet und liegen gelassen. Wenn man die Löcher wieder füllen würde, besteht die Gefahr, dass der nächste das selbe Loch ausgräbt und unter den weichen Massen verschüttet werden würde.

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Bereits um 17:00 Uhr trafen wir in Coober Pedy ein. Tilly und Yvette haben eine tolle Leistung vollbracht. Da blieb uns noch Zeit für eine Stadtrundfahrt. In Coober Pedy gibt es keine großen Gesellschaften, sondern nur kleine Betriebe, die Opale fördern. Man muss mindestens 20 Stunden in der Woche in seinem Claim arbeiten. Menschen aus 40 verschiedenen Nationen leben hier in der Stadt, was die aufgestellten Fahnenmasten beweisen. Doch die Stadt ist eigenartig. Es gibt fast keine Häuser. Wo also leben die etwa 3.500 Einwohner? 80 % der Bevölkerung lebt untertag. In den Höhlen ist es besonders an den heißen Sommertagen angenehmen kühl. Die vornehmsten Wohnungen findert man in den Höhlen, aus denen zuerst die wertvollen Opale geholt wurden. Hier haben sie den tollsten Golfplatz, den ich je gesehen habe. Die Schilder "Keep off the green" stehen vor Desertsand. Die Mitglieder des Golfclubs sind ebenfalls sehr stolz darauf, auch gleichzeitig Mitglied im Golfclub von St. Andrew, der Wiege des Golfsports, zu sein.

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Dann hatten wir endlich unser Hostel erreicht. Auch hier derselbe Anblick. Kein Haus weit und breit, nur drei Türen, die in den Berg führten. Somit würden wir bis auf Weiteres nur meht im Untergrund verkehren. Als wir das Eingangstor öffneten standen wir mitten in einer Küche. Die Wände waren grob aus dem Felsen geschlagen. In viele Richtungen führten Gänge. Yvette hatte Peter in eine Höhle mit drei Stockbetten geführt, in der wir unser Nachtquartier bezogen. Es war zwar ein bisschen eng mit all den großen Koffern, aber hier fühlten wir uns sofort wohl. Wir bezogen schnell die Betten und trafen uns wieder vor der Höhle mit den Anderen. Bevor wir zum Abendessen ausgingen (heute hatte mal niemand Küchendienst), stand noch die Besichtigung der Umoona Opal Mine auf dem Programm. Der Eingang lag gleich nebenan. Die Jugendherberge ist in den Schächte dieser Mine untergebracht.

Zuerst wurden wir in ein riesiges Theater geführt. In einem 20 minütigen Film wurde uns die Entstehung von Opalen und die ersten Funde hier in der Stadt gezeigt. Eigentlich begann das ganze zufällig, als ein kleiner Junge beim Schafehüten 1915 den ersten Opal fand. Heute nennt sich Coober Pedy die Opal Hauptstadt der Welt und tatsächlich werden hier etwa drei Viertel der weltweiten Funde des weißen Opals gemacht. Der Name Coober Pedy stammt aus dem Aboriginal und bedeutet soviel wie "weißer Mann im Loch". Nach dem Film wurde uns noch gezeigt wie die Opale geschnitten und geschliffen werden. Auch machten wir einen Spaziergang durch eine typische Wohnhöhle mit drei Schlafzimmern, Wohnzimmer, Küche und Bad. Das natürliche Raumklima ist angenehm und die Temperatur kann trotz der hohen Temperaturen im Sommer von 50 - 60 Grad angenehm kühl gehalten werden. Natürlich durchwanderten wir danach den großen Verkaufsraum und jeder liebäugelte mit irgendeinem Schmuckstück, das ihm bzw. ihr besonders gut gefiel.

Nachdem wir mit der gesamten Gruppe zum Pizzaessen aus waren, gingen wir noch eine Runde spazieren. Wir besuchten auch die Höhlenkirche, die eine ganz besondere Atomosphäre austrahlte. Hier zündete ich eine Kerze für Vati an. Kann mir gar nicht vorstellen, dass er uns schon vor 40 Jahr verlassen hat. An diesem Ort war ich ihm allerdings sehr nahe.

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Danach zogen wir uns in unsere Höhle zurück. Es war angenehm kühl und wir konnten die Hitze des Tages und die vielen Kilometer hinter uns lassen und uns ordentlich ausruhen.

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Schaffarm

sunny 34 °C

18. November 2007
Circa 100 km

Nach einem guten Frühstück verließen wir gegen 7:30 Uhr die Parachilna Station, die sehr gemütlich und sauber war. Von hier aus fuhren wir nicht lange bis zu einer Abzweigung, die in den Wilpena Pond Nationalpark führte. Die meiste Zeit würden wir heute Schotterstraßen befahren und die Einsamkeit und Schönheit der Landschaft genießen. Die Straße war eng und zum Teil kurvenreich. Wieder einmal gingen wir auf die Jagd. Bald schon tauchten die Western Grey Kangaroos, die sehr selten sind, auf, die hier beheimatet sind. Warum OZExperience die Reise mit kleinen Busen mit 24 Sitzplätzen macht, wurde uns hier klar vor Augen geführt. Die Schotterstraße führt schon mal durch ein ausgetrocknetes Flußbett und die Steine können ganz schön spitz werden. Tilly, die das erste Mal durch den Park unterwegs war, hatte alle Mühe die richtige Geschwindigkeit für die Graval Road zu finden, um nicht mit allzu hoher Geschwindigkeit durch die Schlaglöcher zu fliegen.

Yvette musste Tilly den kleinen Ort Blinman zeigen, in dem sie, wenn mal notwendig, Hilfe holen könnte. Früher fand man hier Kupfer und der Ort hatte sogar 2.000 Einwohner. Heute, nachdem die Mine geschlossen wurde, leben gerade noch 20 Menschen in dieser Wildnis. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie hauptsächlich mit den Touristen. Es gibt einen Camping Platz, von dem aus viele Wanderer zur Eroberung der umliegenden Gipfel starten. Nachdem wir die Schlackenhalde, einziger Zeuge aus der Zeit des Wohlstandes, umrundet hatten, musste Tilly aufpassen, nicht die Orientierung zu verlieren. Es gibt nur sehr wenige markante Anhaltspunkte in der Gegend. Die Beschilderung ist auch nur mangelhaft und als wir zu einer Weggabelung kamen, befahl Yvette Tilly rechts abzubiegen. An dieser Stelle war ich wieder froh, gemütlich in einem Bus zu sitzen und nicht der Lenker eines Mietwagens zu sein.

Irgendwie hatte man das Gefühl in einem Kessel zu sein, der von allen Seiten gleich aussah. Wir waren Gefangene eines riesigen Gebirgszuges. Wieder bog Tilly auf Anweisung von Yvette nach links ab. Die kleinen Hügel waren von Emufamilien bewohnt. Mit unserem bulligen Bus konnten wir den Gipfel dieses Hügels relativ leicht erklimmen. Der Stokes Hill Lookout bietet einen 360 Grad Panoramablick über den Wilpena Pound. Die höchste Stelle des Hügels ist mit einer Reliefkarte aus Bronze gekennzeichnet. Der Ausblick auf die Umgebung war überwältigend. Als jeder seine Fotos geschossen hatte, zeigte uns Yvette auf sehr anschauliche Weise die Entstehung dieses Kessels. Dabei diente der rote Sand als Schultafel (Yvette ist ja eigentlich Lehrerin). Immerhin zählen die Flinders Ranges zu den ältesten Landschaften auf unseren Planeten. Die Entstehung der schroffen Gebirgszüge begann schon vor 1,5 Miliarden Jahren, als das westaustralische Schild absank und es zu großen Überflutungen kam. Der Kessel des 17 x 7 km großen Wilpena Pound ist für Geologen und Steinesammler ein Paradies. Malerisch wurden die roten Hügel von Spinifex Gras bedeckt, das wie grüne Farbklekse in der Landschaft herumlag.

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Danach fuhren wir in den kleinen Ort Wilpena, der Ausgangspunkt für etliche Wanderungen ist. Yvette schlug uns für den heutigen Tag zwei Wanderungen vor. Die leichtere war zwar etwas länger, aber flacher und dadurch weniger beschwerlich. Die anspruchsvollere würde auf den 950 m hohen Mount Ohlssen Bagge führen. Der Weg würde allerdings steil bergauf führen und die Hitze der Mittagssonne würde die Besteigung noch schwieriger machen. Feste Schuhe, Sonnenschutz, Hut und mindestens zwei Liter Wasser waren die Mindestvoraussetzung für das Erreichen des Gipfels. Da die Sonne jetzt richtig herunterknallte und das Thermometer Temperaturen jenseits der 30 Grad anzeigte, entschlossen wir uns, die gemütliche Wanderung, die zum Großteil entlang eines Flusses im schattigen Wald führte, mitzumachen.

Den ersten Teil des Weges gingen beide Gruppen gemeinsam. Tilly, die das erste Mal im Park unterwegs war, würde die eine Gruppe auf den Gipfel führen. Yvette hingegen würde uns auf den Wangara Walk begleiten. Entlang des Flusses, der erstaunlicher Weise Wasser führte, war es trotz der Mittagshitze angenehm kühl. Immer wieder wurden wir von Kangaroos begleitet, die hier im Eukalyptuswald leben. Der Wanderweg war gut befestigt und auf großen Schautafeln konnten wir kontrollieren, ob wir uns noch immer auf dem richtigen Weg befanden. Mitten im Wald fanden wir einen Gedenkstein mt zwei Aboriginals. Auf der Rückseite des Steins war Geschichte von Yurlu's Journey aus der Traumzeit beschrieben. Dieser Halbmensch und Halbvogel beschützte nach dem Glauben der Aboriginals diese Gegend vor den Menschen. Diese Fabelwesen frasen so viele Menschen auf bis sie nicht mehr konnten und sich am Boden niederlegten und sich wanden. Angeblich besteht der Wilpena Pound aus zwei dieser versteinerten Fabeltiere.

Das letzte Drittel des Weges führte auch hier in der prallen Sonne über große Felsblöcke. Mit der Sonne oder durch den Geruch unseres Schweißes angezogen, fielen auch wieder die Fliegen über uns her. Deshalb waren wir froh, dass wir Netze gekauft hatten, die man über den Sonnenhut legt. Mitten in der Steppe gibt es hier eine schöne Aussichtsplattform, von der man einen Blick über die australische Steppe machen kann. Man konnte auch den gegenüber liegenden Mount Ohlssen Bagge sehen, der gerade vom Rest der Gruppe erklommen wurde. Der Steig zur zweiten Aussichtsplattform führte nur mehr über Felsen. Da entschloss ich mich etwas in der Sonne auf die anderen zu warten. Australier kamen vorbei und wollten mir sofort helfen. Sie sind ein sehr freundliches und besorgtes Völkchen, dass auch immer jeden sofort Wasser anbietet. Aber es dauerte nur ein paar Minuten bis die Gruppe wieder vereint war.

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Auf unserem Weg zurück zum Parkplatz durch den Wald begegneten uns Emus. Sie sind die austalischen Wappentiere und etwas kleiner als ein Vogelstrauß. Aber auch ihr Schnabel ist sehr spitz und Vorsicht ist geboten. Auf den Rückweg begleiteten mich die zwei älteren Damen aus England. Der Neffe einer dieser Damen hatte vor einem Jahr am Stokes Hill Lookout ein schönes Fräulein kennengelernt und sich in sie verliebt. Im Dezember war sie zur Hochzeit eingeladen, die auf der Spitze dieses herrlichen Aussichtspunktes stattfinden würde. Da geht wohl ein Traum in Erfüllung. Als wir den Parkplatz erreichten, waren auch schon die ersten Gipfelstürmer zurückgekehrt. Leider mussten sie kurz vor dem Gipfel wegen der großen Hitze aufgeben. Yvette fing sofort mit den Vorbereitungen für unser Mittagessen an. Es würde Hamburger und frischen Salat geben. Aber zuerst mussten noch die Spitzpistolen mit Wasser gefüllt werden. Die anderen würden sich über die Abkühlung bei ihrer Rückkehr freuen.

Bald kehrten auch die Restlichen zurück und nach einer irren Schlacht mit den Wasserpistolen konnte auch schon das Essen serviert werden. Es blieb sogar noch Zeit für ein Bummerl, was Hertha und Seppi sehr freute. Der Tag war überhaupt sehr gemütlich. Wir hatten ja nicht viele Kilometer zurück zu legen. Außerdem hatte uns Yvette noch eine Überraschung versprochen. So packten wir schnell alle Kochutensillien und das Geschirr ein, bestiegen den Bus und fuhren weiter. In der Steppe machten Emufamilien Spaziergänge. Dieses Vergnügen haben die Väter. Einen sahen wir sogar in Begleitung von 19 Kindern.

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Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir Rawnsley Park Sheep Station. Unsere Unterkunft auf der Schaffarm war toll. Gab sogar einen Pool, in dem wir uns etwas abkühlen und erholten konnten. Nur Schafe haben wir wenige gesehen. Die sind auf den Weiden weit hinter dem Haus im Outback. Wir schliefen nicht direkt im Trailerpark, sondern ganz am Ende der Anlage, wo es einige große Baracken gab. In einer war die Küche und der Speisesaal untergebracht und in einer anderen etliche Zimmer mit acht bis zwölf Betten. Yvette gab uns sechs wieder ein Zimmer für acht, damit wir etwas mehr Platz hätten. Wer den Koffer schnell ins Zimmer stellte und sich umzog, konnten gleich mit dem Bus zurück zum Trailerparkeingang fahren, wo sich der Pool befand. Ich entschloss mich noch ein paar Sachen zu waschen. Es gab hintern Haus eine Wäscheleine und in dieser Hitze musste alles sofort trocken sein. Danach machte ich mich zu Fuß auf dem Weg zum Pool. Obwohl wir uns auf einer riesigen Schaffarm befanden, war keines dieser Pulloverschweine zu sehen. Dafür schaute uns aber die Kangaroo Mutter mit ihrem Baby beim Schwimmen zu.

Die anderen waren schon eine Runde geschwommen und sonnten sich als ich ankam. Zu meiner großen Überraschung gab es hier ein kleines Geschäft und auch, man staune, mitten in der Wildnis eine Internetstation. Endlich konnte ich wieder mal meine Mails abrufen. Es war auch eine Nachricht für Hertha dabei. Sie war wieder Großtante geworden. Sofort musste natürlich auf die Geburt des neuen Erdenbürgers angestossen werden. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch wieder etwas an meinem Tagebuch schreiben. Leider war die Tastatur nicht mehr die beste und das Schreiben eher mühsam. Als ich mich dann zum Pool begab, hatte sich der Himmel verfinstert. Große Regentropfen fielen als Geschenk Gottes vom Himmel herab. Aber nur kurz dauerte der Regenschauer und schon bald hatte die Sonne das Wasser wieder zu sich genommen.

Eine Gruppe hatte wieder Abenddienst und das Lammcurry mit Reis und Gemüse schmeckte sehr gut. Als Nachspeise gab es noch einen Pudding und Obstsalat. Nach dem Essen wurde ein Lagerfeuer angezündet, was mit einer großen Rauchentwicklung verbunden war. Wir saßen mit der Schweizerin Annette gemütlich vor der Baracke mit einer Flasche Wein. Sie übernachtete nicht im Camp, sondern in einem ein paar Kilometer entfernten Hotel. Leider würde es dort am nächsten Morgen kein Frühstück geben. So hatte ihr Yvette ein paar Scheiben Toast, Butter, Marmelade und Cornflakes eingepackt. Kaffee musste sie sich mit der im Zimmer befindlichen Kaffeemaschine selber kochen. Da wir alle einstimmig beschlossen hatten, am nächsten Tag eine Strecke von 650 km zurückzulegen hatten, hieß es wieder früh aufstehen. So legten auch wir uns früh zu Bett.

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Von der Grossstadt ins Outback

sunny 32 °C

Von der Grossstadt ins Outback (485 km)
17. November 2007

Ich bin froh, dass alles so gut funktioniert. Pünktlich um 6:20 Uhr wurden wir von einem Bus der Firma OZ Exerience abgeholt. Das System vom Einchecken kannten wir ja schon. Immer muss man dafür unterschreiben, das der Veranstalter für keinerlei Unfälle haftbar gemacht werden kann. Jeder Reiseteilnehmer trug sich in eine Liste ein. Wir hatten bereits in Sydney für Unterkunft und Verpflegung auf der gesamten Strecke bezahlt. Hier mussten wir nur noch AU$ 15 für die gemieteten Schlafsäcke zahlen. Ich glaube, dass Seppi sich noch immer dachte, dass ich einen Spaß machte, aber im Programm stand es so drinnen.

Diesmal begleiten uns gleich zwei Frauen, Tilly und Yvette. Yvette macht diese Outback Tour zwischen Adelaide und Alice Springs bereits seit 14 Monaten und sie versicherte uns, dass das für eine Reiseleiterin eine lange Zeit sei. Tilly hingegen war ihr Lehrling. Sie kannte die Strecke überhaupt nicht und wurde von Yvette eingeschult. Also wurden wir auf dieser Reiseetappe gleich von zwei Powerfrauen betreut.

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Wir sollten noch die letzten Minuten der Großstadt genießen, denn es würde lange dauern, bis wir wieder in eine kämen. Adelaide hat 1,1 Millionen Einwohner. Der erste Stopp fand nach 2 Stunden und circa 200 km Fahrt statt. Kornfelder und danach Weingärten begleiteten uns. Das Clare Valley ist eines der drei großen und ich wage zu behaupten, das schönste, geschlossene Weingebiet Australiens. Ein irrischer Einwanderer benannte das Gebiet 1840 nach County Claire in Irland. Er gründete hier das erste Pub und fing an, Weinreben zu pflanzen. Heute gibt es etwa 30 große Weinbauern, die mit ihren Weinen schon sehr viele internationale Auszeichnungen gewonnen haben.

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In Clare gibt es ein kleines Shopping Centre, in dem wir uns noch mit Eß- und Trinkbaren eindecken sollten. Hier konnte man Lebensmittel noch günstig einkaufen. Im Outback würde es schon etwas schwieriger werden, einen Laden zu finden, in dem man "Alles, was das Herz begehrt" auch zu kaufen bekommt. Einen Liquore Store gab es auch. Ein paar Flaschen Wein und Whiskey konnten nicht schaden. Im Bus gab es zwar wenig Platz, aber irgendwie konnte ich die Schachtel mit den Flaschen unter meinem Sitz verstauen, bevor wir die Fahrt durch die Weingärten fortsetzten. Getreidefeldern wiegten sich goldig in der Sonne. Vielerorts sah man schon Dreschmaschinen und mancher Fahrer braucht hier sicher eine Stunde für eine Fahrt über das Feld und zurück. Es gibt überall Trocknungsanlagen und riesige Getreidespeicher. Das meiste Getreide wird exportiert.

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Melrose am Fuße des Mount Remarkable, der schon aus etwa 60 km Entfernung sichtbar ist, ist bekannt wegen seiner Kupferfunde. Die Mine war leider nicht sehr ertragreich und musste immer wieder geschlossen werden. Die 1848 eröffnete Polizeistation in Melrose war der Standort des damals größten Polizeibezirks der Welt. Ein Polizist, zwei Reiter und ein Fährtensucher der australischen Ureinwohner waren für ein Gebiet bis zum Timorsee verantwortlich. Nur ein Wort zum Thema Polizei: Die Gegend kann gar nicht verlassen genug sein, dass nicht plötzlich aus dem Nichts dein Freund und Helfer auftaucht, auch wenn du ihn gerade nicht brauchst. Nach etwa einer Stunde und 45 Minuten gab es wieder eine Pinkelpause in der Grossstadt Laura (etwa 100 Einwohner). Die Besonderheit der Stadt sind die Häuser, die auf Pfählen und alten Trucks, die gegen Bäume gefahren sind, gebaut worden waren. Vor einem kleinen Cottage blühten in einem Vorgarten englischer Art meterhohe Malven in den verschiedensten Farben. Der passionierte Gärtner war gerade dabei, seine selbstgezüchteten Tomatenpflanzen auszusetzen, worum ihn Seppi sehr beneidete.

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Als wir in den Bus zurückgekehrt waren, hatte Yvette alle unsere Namen mit einem bunten Stift auf die Scheibe der Eingangstüre geschrieben. Sie hatte während der Pause die Arbeitsgruppeneinteilung gemacht. Wir waren ja auf diesen Teil unserer Reise Selbstversorger und jeder wurde gebeten, bei Essenvorbereitung und Abwasch mitzuhelfen. Da wir 23 Reiseteilnehmer waren, wurden wir in vier Gruppen zu fünf Personen eingeteilt. Yvette fragte mich, ob sie uns sechs in verschiedene oder in eine Gruppe einteilen solle. Ich sagte ihr aber, dass jeder so viel Englisch kann, dass er sich zurechtfinden würde. Es würde einfach eine lustige Übung sein, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Übrigens, das Monat tut uns allen gut. Jeder konnte seinen Wortschatz erweitern und einfach auf spielerische Art und Weise dazulernen. Drei Herrn, darunter auch Seppi, der ordentliches Schlichten liebt, waren für das Kofferverladen und das Befüllen des mitgeführten Wassertanks am Morgen verantwortlich.

Währenddessen fuhren wir schon durch Wilmington, einem kleinen Städtchen, in dem die Zeit seit ihrer Gründung durch Robert Blinman in Jahre 1860 stehengeblieben zu sein scheint. Für unsere Mittagspause fanden wir in Quorn ein nettes Plätzchen, wo wir das erste mal unser inkludiertes Lunch serviert bekommen sollten. Während Hertha und Ute zum Kochen eingeteilt waren, konnten wir uns ein bisschen in der Filmstadt umsehen. In diesem Städtchen ist alles noch so, wie es vor 100 Jahren war. Die schönen, alten Häuser dienten in den Filmen "Sunday Too Far Away", "The Sundowners" oder "The Last Frontier" als Filmkulisse. Quorn errang einst als Eisenbahnknotenpunkt Bedeutung, denn Züge aus ost und west und nord und süd hielten hier an. Die Stadt war Haltestelle der berühmten Ghan Railways auf ihrer Fahrt nach Alice Springs. Die Bahnline wurde aber verlegt und so verlor Quorn an Bedeutung. Eisenbahnerfreunde begannen jedoch mit dem Betrieb der Pichi Richi Railway, einem Museumsdampfzug, der die Strecke zwischen Port Agosta und Quorn täglich befährt.

Gerade als wir vom Bahnhof zum Picnicplatz zurückkehrten, fuhr der Zug mit einer großen Rauchwolke in den Bahnhof ein. Das lachte Seppi's Eisenbahnerherz. Mittlerweile war auch unser Mittagessen gekocht. Yvette hatte gerade verschiedene Gemüsesorten fertig gebraten, während Tilly sich das erste Mal mit einem Huhn plagte. Alle Zutaten wurden dann mit würzigen Saucen in Nachos gefüllt. Es gab noch frischen Salat und Tomaten, die wir mit Dressing übergossen. So schnell ist ein Menü fertig, hunrige Mägen gestopft und schmutziges Geschirr wieder sauber. Und übrigens, das schnelle Essen hat auch noch gut geschmeckt.

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Schon während unserer Mittagspause hatten wir bemerkt, dass die Gegend sehr staubig ist. Als wir dann mit dem Bus weiterfuhren, sahen wir in der Ferne, wie sich feiner Staub langsam vom Boden wie eine Säule in den Himmel erhob und immer näher kam. Dieses Naturphämonen hat den schönen Namen "Willy-Willy". Staubschlucken würden wir in den nächsten Tagen im Outback genug. Eva hatte uns davor gewarnt, schönen Sachen mitzunehmen, da man den Staub und vor allem den später zu erwartenden roten Tennisplatzsand nicht mehr los wird. Dabei könnte der Staub in den nächsten Jahren zu einem immer größer werdenden Problem in der Australischen Halbwüste werden.

1840 betrat das erste Kamel den Boden Austrailiens. Sie wurden bei einer Expedition eingesetzt und später beim Bau der Eisenbahn verwendet. Im Laufe der Zeit wurden die Kamele durch LKW ersetzt und die Kamele in Freiheit entlassen. Da Kamele ursprünglich nicht in Australien beheimatet waren, haben sie hier auch keine natürlichen Feinde. Deshalb vermehren sie sich jedes Jahr um etwa 10 %. Die Vegitation leidet schon heute unter der großen Anzahl an Tieren (ca. 750.000). Wenn die Kamelpopulation nicht unter Kontrolle gebracht wird, werden die Kamele die Halbwüsten bald zu vegitationslosen Wüsten leerfressen. Den Weg, den sie durch die Wüste ziehen, kann man an den am Straßenrand wachsenden Melonen sehen. Die giftigen, gelb-grünen Bälle können von ihnen gefressen werden, ohne Schaden zu nehmen. Yvette ließ Tilly anhalten, um eine solche Melone in den Bus zu holen. Sie schnitt sie auseinander und zum Vorschein kamen braune Samen, wie bei einer Wassermelone.

In der Zwischenzeit hielten die Damen aber Ausschau nach einer Steinformation, die als natürlicher Wegweiser für die Abzweigung zu unserem nächsten Besichtigungspunkt dient. Nicht weit von der Bundesstraße entfernt, liegen die Ruinen eines Dorfes, das eigentlich schon in den Kinderschuhen zum Sterben verurteilt war. 1851 gründete John Phillips die Kanyaka Homesteads. Dank regelmäßiger Regenfälle entwickelte sich die Schaffarm in den ersten Jahren nach ihrer Gründung sehr gut. Um 1864 lebten hier 70 Arbeiter mit ihren Familien und 41.000 Schafe. Danach folgten Jahre der Dürre und 1888 musste die Schaffarm verlassen werden. Zurück blieben die Anzeichen vom Beginn einer kleiner Stadt, die dem Verfall preisgegeben werden musste. Vor einigen Jahren begann man die Ruinen etwas instand zu setzen. Hier wurde mir richtig bewusst, wie jung die Geschichte dieses Landes ist. Unsere alte Heimat beim Klimbacher ist um etliche Jahre älter und die Mauern hätten sicher auch sehr viel mehr zu erzählen.

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Viel älter hingegen waren die Spuren, auf denen wir danach gewandelt sind. Die Yourambulla Caves sind wegen ihrer Aboriginalmalereien bekannt, die hier in drei durch Metallgitter geschützten Höhlen zu sehen sind. Der Legende nach lagerten hier zwei Männer verschiedener Stämme: "Arraru" und "Mathari". Sie werden durch die zwei Hügel, in deren Höhlen man die Felszeichnungen gefunden hat, symbolisiert. Nach einer circa 20 minütigen Wanderung erreicht man die erste Höhle, von deren Vorsprung man auch einen herrlichen Blick auf die wunderschöne Landschaft der Flinders Ranges hat. In der Höhle, die man über eine steile "Hühnerleiter" erreicht, sieht man hinter dem Metallgitter in schwarz, weiß und ocker aufgebrachte Zeichen. Diese Zeichen findet man meist an für die Ureinwohner heiligen Orten. Sie dienen als Überlebenshilfe in diesem unwirtlichen Klima. Sie zeigten an, wo sich das nächste Wasserloch befindet, wo sich gute Jagdgründe liegen oder wo sich der nächste sicherer Lagerplatz ist. Teilweise sind die Farben so frisch, dass man meinen könnte, dass sie erst gestern aufgetragen worden waren.

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Die Kultur der Ureinwohner wird von den weißen Eroberern auch noch heute viel zu wenig geschätzt. Sie gewinnt nur an Bedeutung, wenn man sie touristisch zu Geld machen kann. Es ist auch gut, dass die Aboriginals viele ihrer Heiligtümer nicht preisgegeben haben und sie so vor mutwilliger Zerstörung und Entweihung schützen konnten. Yourambulla Caves war aber sicher so ein Ort, an dem ein Teil des Traumfängers hätte spielen können. Ich würde jeden, der sich für Australien interessiert, dieses Buch ans Herz legen. Auch als wir zum Tankstopp in der Großstadt Hawker mit 500 Einwohnern anhielten, hatten wir das Gefühl, in der Einsamkeit verloren zu gehen. Es gab nur mehr Savanne und einen Gebirgszug, dessen Ausläufer uns schon seit Port Agosta bedrohlich verfolgten. Wir hatten heute 450 km zurückgelegt. Ich habe auch deshalb von jedem unserer Stopps ein Foto eingefügt, weil es unterwegs sonst wirklich Nichts zu sehen gab, außer wunderschöner Landschaft. Es ist nicht so wie bei uns in Europa, wo man immer wieder an einem kleinen Dorf vorbeikommt und einem von jedem Hügel entweder eine Kirche, ein Schloß oder eine Burg anlacht. So gewinnen auch Kleinigkeiten an Bedeutung.

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Die Flinders Ranges zählen mit ihrer Länge von 430 km zur größten Bergkette Südaustraliens. Mitten in dieser einsamen Gebirgswelt liegt die Parachilna Station. Schon Kilometer bevor wir dort ankamen, gab es Werbetafeln für unser Hotel. Auch wurde auf die feine Küche hingewiesen, in der einheimisches Wild serviert wurde.

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Zuerst machte Yvette mit uns eine Stadtrundfahrt durch Parachilna. Blicken sie nach rechts. Hier liegt der neuerrichtete Sportplatz der Stadt (hinter einem rostigen Maschendrahtzaun lag eine Müllhalde). Danach folgte der Botanische Garten, in dem eine Desert Pea blühte. Das tollste an der Stadt sei der neue Kreisverkehr. Hier machte sie mit uns gleich drei Inselrundfahrten, was natürlich viel Staub aufwirbelte. Am alten Kreisverkehr vor dem einzigen Haus der Stadt durfte sie keine Inselrundfahrt mehr machen, da sich die Besitzerin, eine ältere Dame, bei der Stadtverwaltung beschwerte, dass sie immer soviel Staub schlucken müsse. Auf jeden Fall gab es wieder einen Salon und natürlich auch ein Hostel. Große Überraschung war der Pool. Ich fragte Yvette, ob wir gegen Aufzahlung im Hotel schlafen könnten. Sie sagte mir aber, dass sie für uns ein schönes Zimmer mit sechs Betten und Klimaanlage hätte, das nicht schlechter als die Zimmer im Hotel wäre. Wir sahen es uns an und beschlossen dort zu bleiben.

Während die meisten ins kühle Naß sprangen, begab ich mich mit Peter in die Küche. Wir hatten Küchendienst. Auf dem Programm stand ein Aussie BBQ. Kartoffel wurden gewaschen und ins Rohr geschoben. Das Einkaufsteam der Firma OZExperience hatte uns für das erste Abendessen die verschiedensten fertigen Salate eingepackt. Bevor wir das Fleisch auswickelten, musste ich die Aufkleber fotographieren. Ich hatte den leisen Verdacht, dass mir keiner glauben würde, was wir auf den Grill legen würden. Dann mussten wir im offenen Speisesaal aufdecken. Der Boden war mit rotem Sand bedeckt. Schnell wurde er mit einem Besen beseitigt. Noch schlimmer war aber der Zustand der Tische und Sessel. Alles musste abgewischt werden. Wenn wir Pech hatten und in der Zwischenzeit der Wind weht, dann war unsere Mühe umsonst.

Als alles vorbereitet war, gönnten auch wir uns eine kleine Pause. Yvette machte samt ihrer Uniform einen Hechtsprung ins Schwimbecken. So hatte sie zwei Fliegen mit einem Schlag erledigt. Sie war geduscht und auch ihre Wäsche war gewaschen. Neugierig fragten alle, was es denn zu essen geben. Meine ehrliche Anwort Kangaroo, Emu und Kamel löste nur ein Lächeln aus. Die Zeit bis zum bevorstehenden Sonnenuntergang nützten wir für einen Apperitiv und für einen Rundgang durch das Camp. Irgendwie mussten wir in der Finsternis dann auch den Weg zu den Containern mit den sanitären Anlagen finden. Sie befanden sich doch in einiger Entfernung zum Haupthaus. Rund um die Viehstation war die Erde rot und mit dem beginnenden Sonnenuntergang färbte sie sich immer "röter". Zum Schluss glaubte man, dass die Erde Feuer gefangen hätte.

Während wir der Natur bei ihrer Arbeit zusahen, war Yvette auch wieder bei der Arbeit. Sie hatte das Fleisch schon auf den Grill gelegt. Wir konnten bereits unsere Teller mit Salat füllen und Fleisch fassen. Wieder kam die schöne Frage, was da wohl auf unserem Teller läge. Da meine Antwort wieder gleich lautete, aßen alle mit einem Lächeln auf den Lippen und siehe da Kangaroo, Emu und Kamel schmecken gar nicht so schlecht. Nach dem Essen wurde ich gebeten das Küchengeheimnis preiszugeben. Da nahm ich meine Digitalkamera und zeigte allen die Aufkleber auf den Fleischpackungen. Es gab lustige Oh und Ah Erlebnisse.

Viel war wirklich nicht los in diesem Kaff. Da nutzten wir die Gelegenheit, etwas zu lesen, das Erlebte in unseren Tagebüchern festzuhalten oder noch einen Schnaps am Pool zu trinken. Sensation würde die Durchfahrt des langen Kohlenzuges um 23:00 Uhr sein. Doch so lange konnte ich meine Augen nicht offenhalten. Und obwohl das Bahngleis gleich unter unserem Zimmerfenster lag, vernahm ich keinen Laut mehr.

Posted by Fegoesoz 22:07 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

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