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Nov 07

Die Heimat hat uns wieder

sunny 15 °C

Die Heimat hat uns wieder
30. November 2007

Jedesmal, wenn ich munter wurde und einen Blick auf die Sitze neben mir warf, waren sie leer. Hertha und Elfriede waren fast die ganze Nacht auf Wanderschaft. Und da das Wandern durstig macht, kehrten sie immer wieder bei den Flugbegleitern auf eine Stifterl Wein ein. Auch so kann ein Flug schnell vergehen. Irgendwann drückte mir dann jemand einen warmen Waschfleck in die Hand. Guten Morgen! Bald gibt es Frühstück, sagte Hertha zu mir. Ich hatte tatsächlich geschlafen wie ein Koalabär, eingerollt in meinen Sitz. Es war noch immer finster draußen. Im November geht die Sonne erst spät auf. Wir sollten kurz nach 5:00 Uhr morgens in Frankfurt landen. Man sah nur immer wieder Lichter unter uns, die wie Weihnachtslichterketten - eben passend zur Jahreszeit - aufgefädelt waren.

Nach dem Frühstück hatten es die Flugbegleiter eilig mit dem Abräumen. Bald schon würden wir wieder europäischen Boden unter den Füßen haben. Nach einer sanften Landung und etwa 21 Stunden waren wir ein Frankfurt gelandet. Unser Gepäck hatten wir bis Klagenfurt aufgeben können. Wir mussten für den Flug nach Klagenfurt erst einchecken. Dafür war es noch etwas zu früh, denn wir konnten erst um 11:30 Uhr weiterfliegen. Peter hingegen startete bereits um 8:20 Uhr Richtung Zürich. Er würde schon zu Hause sein, wenn wir erst wieder das Flugzeug für die letzte Etappe unserer Reise besteigen würden. Mit einem lachenden und einem weinende Auge verabschiedeten wir uns von Peter. Immerhin waren wir in diesem Monat von sieben einzelnen Zwergen zu einer verschworenen Gruppe zusammengewachsen.

Wir suchten uns ein nettes Plätzchen, um eine Tasse guten Kaffees zu trinken. Da es ein recht gemütliches Lokal war und wir Zeit hatten, blieben wir einfach sitzen. Bei einem Bier und einem Bretzen fühlten sich dann alle noch wohler. Danach unternahmen wir eine Wanderung. Der Frankfurter Flughafen ist riesengroß. Es dauerte lange bis wir vom einem zum anderen Ende kamen. Wieder mussten wir durch die Sicherheitskontrollen. Hertha und Elfriede mussten ihre Rucksäcke checken lassen. Irgendetwas Unerlaubtes wurde entdeckt. Dabei hatten die zwei Damen nur noch ein Fläschchen Medizin eingesteckt, welches sie im Flugzeug nicht mehr ausgetrunken hatten. Hertha wollte wieder nach draußen und die Medizin einnehmen, aber der Sicherheitsbeamte hatte ein Einsehen und ließ uns die zwei Stifterln vor seinen Augen vernichten.

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Natürlich gab es nur noch Gelächter. Noch mehr lachen mussten wir beim Anblick des "alten Rasenmähers", der uns wieder nach Klagenfurt bringen sollte. Wie oft habe ich diesen Vogel schon über unser Haus brummen hören! Heimatliche Gefühle kamen auf und wir alle freuten uns schon auf daheim. Nach dem Start sahen wir wieder Felder unter uns, Weingärten und immer wieder Städte und Dörfer mitten im Wald. Wie anders war doch die Besiedelung in Europa im Gegensatz zu Australien! Bald schon überflogen wir die Alpen. Doch nur die höchsten Gipfel streckten ihre Hälse aus dem Wolkenmeer heraus. Kurz vor der Landung in Klagenfurt fielen wir in ein Loch und ein Aufschrei ging durch den Passagierraum. Doch wir konnten pünktlich um 13:10 Uhr und sicher am Flughafen Klagenfurt Wörthersee landen. Die Heimat hatte uns wieder!

Es dauerte nicht lange bis wir unsere Koffer bekamen. Dann öffnete sich die Türe und unsere Lieben standen aufgefädelt da, um uns abzuholen. Es war ein schönes Gefühl, erwartet zu werden. So schnell vergeht ein Monat. Die Koffer waren voller Andenken, aber noch wichtiger: unsere Herzen waren voll. So viele schöne Erinnerungen hatten darin Platz gefunden.

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Die Segel setzen

sunny 31 °C

Die Segel setzen
29. November 2007

Je länger unsere Reise dauerte, desto länger konnten wir schlafen. Unser Flug ging erst um 17:00 Uhr. Wir liesen uns Zeit beim Frühstück und konnten in aller Ruhe unsere Koffer packen. Die Zimmer mussten wir bis 11:00 Uhr geräumt haben. Beim Zahlen sagte ich der Dame, dass die Pension sehr gut geführt sei und dass wir uns sehr wohl gefühlt hatten. Sie erzählte, dass diese und eine weitere Pension in der Innenstadt einem älteren schweizer Ehepaar gehören würde, das sehr viel Wert auf Sauberkeit, Herzlichkeit und gute Führung lege. Man merkte hier wirklich die strenge europäische Hand im Gegensatz zu anderen Häusern, wo wir übernachtet hatten. Die Koffer konnten wir einstweilen unter der Stiege verstauen und es uns bis zur Abfahrt im Haus gemütlich machen. Nachdem wir alles verstaut hatten, machten Peter und ich noch eine Runde durch die Geschäfte. Das Bild steckte ihm noch immer im Kopf - weiße und violette Punkte auf schwarzem Grund. Kreise bedeuten für die Aborigines immer einen "meeting place". Meist gibt es eine Geschichte zum Bild auf der Rückseite. Platz war noch im Koffer, also konnte das Bild mit.

Wir machten noch einen Spaziergang in Manly Cove hinter dem Aquarium, das gerade umgestaltet wurde. Die Bucht war sehr schön. Durch den regen Fährverkehr war auch immer etwas los. Leider sind die Tage hier viel zu schnell vergangen. Wir hatten nicht einmal Zeit gehabt, auf dieser Seite der Halbinsel einen langen Spaziergang zu machen. Trotzdem, die Tage der Erholung hatten uns allen gut getan. Auf dem Weg zurück zu unserer Pension besorgte ich mir noch etwas Eßbares. Es war Mittag und wer weiß, wann wir wieder etwas bekommen würden. Im Flugzeug gibt es meist Huhn oder irgendein Nudelgericht, aber da würde es schon recht spät sein. Auf der Terrasse des Hotels saßen auch schon die Anderen. Auch sie wollten sich noch etwas zu essen holen, bevor das Flughafentaxi sie abholen würde.

Da wir rechtzeitig am Flughafen sein wollten, wollten Hertha und ich die Fähre um 13:15 Uhr nehmen. Da es bis zum Hafen nur ein Katzensprung war, reichte es, wenn wir um 13:00 Uhr starteten. Um 13:30 Uhr würde auch der Rest abgeholt werden. Gleich hatten wir den Hafen erreicht, Fahrkarten gekauft und die Fähre bestiegen. Jetzt hieß es Segel setzen und die Heimreise antreten. Es war einfach schön hier und wir freuten uns schon, auf diese Weise von der Weltstadt Sydney Abschied nehmen zu können. Wir konnten noch einen letzten Blick auf das Sydney Operahouse und die dahinter liegende Harbour Bridge werfen. Dem Fährhafen gegenüber liegt der Zugbahnhof. Schnell hatten wir auch hier eine Fahrkarte gekauft. Der Zug fuhr ein und schon waren wir Richtung Flughafen unterwegs. Mit der Rolltreppe erreichten wir die Halle zum Einchecken. Nur kurz nach unserer Ankunft tauchte der Rest der Gruppe auf.

Wiedervereint, stellten wir uns an das Ende der Warteschlange. Ich war froh, dass wir unser Gepäck bald loswerden würden. Jetzt begann das große Zittern. Wieviele Kilos waren wirklich in unseren Koffern verstaut? Seppi und Ute hatten einen Teil von Eva's Habseeligkeiten in ihren Koffern verstaut. Aber eine freundliche, ältere Dame schien es nicht zu stören, dass die Waage weit über zwanzig Kilo anzeigte. Die größte Hürde des Tages hatten wir geschafft. Für die Heimreise waren wir schon eingecheckt und saßen alle gemeinsam. Konstanze hatte das schon zu Hause für uns erledigen können. An dieser Stelle sei ihr und ihrem Team ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Ihre Mithilfe bei der Organisation ist immer goldeswert.

Nur mehr Elfriede fehlte. Wollte sie doch bei ihren Enkeltöchtern bleiben? Schon läutete das Handy und Elfriede fragte nach, wo wir wären. Sie waren gerade angekommen und jetzt stand sie mit Petra am Ende einer sehr langen Schlange. Aber dadurch, dass viele Schalter offen waren, dauerte die Wartezeit nicht allzu lange. Die "sieben Zwerge" hatten wieder zueinander gefunden. Elfriede mit Familie wurden herzlich begrüßt. Petra hatte noch für jeden von uns einen australischen Weihnachtskoala als Abschieds- und Erinnerungsgeschenk. Dabei werde ich und sicher auch die anderen, die schönen Stunden, die wir gemeinsam mit ihnen verbringen durften, nie vergessen. Es war schön, im Ausland zu sein und doch ein Stück Heimat zu finden.

Dann war aber die Zeit des Abschiednehmens gekommen. So schwer fiel er diesmal allerdings nicht, denn Petra und Familie würden Weihnachten zu Hause am Seitenberg verbringen und so schon bald wieder Elfriede in die Arme nehmen können. Wir winkten alle zum Abschied. Dann blieb uns noch Zeit, uns im Dutyfree Shop umzusehen. Aber viel mehr konnten wir nicht tragen, so fiel der Einkauf bescheiden aus. Es wurden nur noch die letzten australischen Münzen umgesetzt, die nicht mehr umgetauscht werden können. Die Boeing 747 der Quantas stand schon aufgetankt vor dem Terminal und das Boarden konnte beginnen.

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Mit dem Riesenvogel ging es vorerst wieder nach Singapure. Nach einem kurzen Aufenthalt würden wir nach Frankfurt starten, um dann weiter nach Klagenfurt zu fliegen. Wir hatten zwei Dreierreihen für uns und einen Gangplatz gegenüber, wie von Peter gewünscht. Leider dauerte es etwas mit unserer Startgenehmigung und wir konnten erst mit einer halben Stunde Verspätung Sydney International Airport verlassen. Von meinem Fensterplatz aus konnte ich noch einen letzten Blick auf Cronulla werfen, wo Petra wohnt. Wolken waren aufgezogen. Es regnete. Der Himmel weinte, weil wir das Land verliesen. Bald waren die Tränen getrocknet und nur mehr der Wüstensand des roten Kontinents unter uns.

Wir überflogen Alice Springs im Süden. Hier wurde es etwas hügelig. Nach einer weiteren Stunde Flug lag das Meer unter uns und es wurde finster. Mit etwas Verspätung sind wir dann in Singapure gelandet. Diesmal blieb keine Zeit für ein Tänzchen in der Pianobar. Nur Elfriede und Hertha machten mit ihrem Turboschnellgang einen Spaziergang durch die Flughafenhallen. Die schönen Orchideen waren einer tollten Weihnachtsdekoration mit Weihnachtssternen in verschiedenen Farben gewichen. Gut, dass der Flug fast nahtlos weiterging. Irgendwie war ich müde. Wir hatten wieder keine Ahnung, wie spät es war. Manche von uns hatten noch australische Zeit, manche aber schöne wieder europäische Zeit auf ihren Uhren.

Nachdem wir die vorgeschriebene Flughöhe von 10.000 m erreicht hatten, wurde auch gleich das Essen serviert. Wie schon vorhergesagt, Huhn und ein Nudelgericht. Nach dem Essen servierten mir Elfriede und Hertha einen Turbowhisky und der leistete volle Arbeit. Ich verfiel in einen tiefen und angenehmen Schlaf.

Posted by Fegoesoz 11:08 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

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Im Sonnenstudio

sunny 31 °C

Im Sonnenstudio
28. November 2007

Was war das? Ein Sonnenstrahl hatte mich gekitzelt. Es war Zeit, aufzustehen und das schöne Wetter zu genießen. Das Frühstück im gemütlichen Innenhof mundete köstlich. Die Badesachen waren schnell gepackt und ab ins Sonnenstudio. Ein letztes Mal wollten wir Shelly Beach aufsuchen, bevor wir wieder die Heimreise nach Europa würden antreten müssen.

Die kurze Wanderung zum Strand war von Blumen aller Art gesäumt. Ein Staude mit Blättern wie ein Rhododendron barg Fruchtstände wie Pfaffenkäppchen - nur in den Farben gelb orange und nicht in pink orange. Hibiskusblüten gab es in gelb, rot, rosa und orange in allen größen und Ausführungen von einfach bis dreifach gefüllt. Die Blüten der Plumeria übertrumpften alle anderen Blumen mit ihrem süsslichen Duft. Danach reihte sich der Duft der Engelstrompeten, die ganze Häuserfronten überwucherten. So große Pflanzen habe ich noch nie gesehen.

Am Strand angekommen, suchte sich wieder jeder sein Plätzchen - ich im Schatten der Palme, die anderen im natürlichen Sonnenstudio erste Reihe fussfrei. Ich verbrachte den Vormittag abwechselnd mit schauen, lesen und schlafen. Um die Mittagszeit gesellten sich Eva und Stefan zu mir und später auch Peter. Als die Sonne ganz hoch am Himmel stand und das Thermometer auf über 30 Grad anstieg, suchten auch die anderen im Schatten der Palme zuflucht. Das Plätzchen war so schön, dass man es zum Kartenspielen nutzen konnte. Nur der Duft nach frischen Kaffee konnte das Spiel unterbrechen. Beim Kaffeetratsch waren alle sehr still. Jeder dachte wohl schon darüber nach, wie er alle Habseeligkeiten im Koffer gewichtsmäßig verstauen würde. Eva und Stefan würden schon um fünf Uhr morgens vom Flughafentaxi abgeholt werden. Sie mussten ihren Flug nach Brisbane erreichen. Dort würden sie noch einige Tage verweilen, bevor sie nach Neuseeland fliegen würden.

Eva hatte auch für Ute, Seppi, Verena und Peter ein Flughafentaxi bestellt. Hertha und ich würden mit der Fähre und dem Zug zum Flughafen fahren, um nochmals einen Blick auf die Skyline von Sydney mit der Oper und der Harbour Bridge werfen zu können. Aber es war noch zu früh, uns mit solchen Gedanken zu beschäftigen. Wir wollten einfach noch ein bisschen Sonne tanken, um dem langen Winter in Österreich besser überstehen zu können. So machte ich ein Mittagsschläfchen, das etwas länger dauerte. Erst als die Sonne verschwand, ließen wir das Paradies hinter uns. Wir hatten schöne und erholsame Stunden in der geschützten Shelly Bay mit den Krautkopfpalmen verbracht.

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Den Abend zuvor hatten sich Verena, Eva und Stefan eine Pizza geholt und diese beim Pockern im Hotel verzerrt. Den letzten Abend jedoch wollten wir mit einem gemeinsamen Abendessen feiern. Da eigentlich alle noch einmal ein gutes Steak essen wollten, beschlossen wir, wieder in das Steyne Hotel einzukehren. Jeder fand ein Steak in passender Größe auf der Speisekarte. Wieder war das Lokal voll. Anscheinend ist bekannt, dass man dort gut essen kann. Auch die Portionen waren so, dass niemand hunrig vom Tisch aufstehen würde. Heute würde auch niemand durstig vom Tisch aufstehen. Peter war schlauer geworden und hatte sich gleich zwei Gläschen Wein bestellt, dann musste er sich nicht nochmals ans Ende der Schlange stellen.

Irgendwie waren alle ausgelassen und zu Späßen aufgelegt. Natürlich wollten wir auch nochmals beim Eisman zuschlagen und jeder mixte sich ein Eis mit Zutaten nach seinem Geschmack. Beim anschließenden Schaufensterbummel fiel Peter's Blick auf ein Bild in Aboriginal Kunst und Hertha interessierte sich für ein Digeridoo in spielbarer Größe. Beide wollten ihre Entscheidung nochmals überschlafen. Am nächsten Vormittag hatten wir ja noch Zeit für ein paar Einkäufe. Den Abend beschlossen wir in unserer gemütlichen Pension in unserer netten und schon so vertrauten Runde. Zu Hause würde es nicht mehr möglich sein, einen lauen Abend auf der Terrasse zu verbringen. Wir mussten uns schon wieder auf kühlere Temperaturen vorbereiten.

Nur Eva und Stefan würden noch zwei Monate Wärme in Neuseeland und anschließend in Thailang genießen können, bevor sie wieder nach Europa zurückkehren würden. Von ihnen mussten wir uns verabschieden, denn sie würden schon am frühen Morgen vom Flughafentaxi abgeholt werden. Die Beiden würden wir erst bei der Osterjause wiedersehen. Ich freute mich zwar schon sehr auf zu Hause, doch beneidete ich sie um das Erlebnis, Silvester beim Feuerwerk über Sydney verbringen zu können.

Posted by Fegoesoz 11:05 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

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Singing in the Rain

semi-overcast 22 °C

Singing in the Rain
27. November 2007

Wenn Regentropfen ganz leis an dein Fenster klopfen, dann heißt das wohl, dass die Schlechtwettervorhersage auch eingetroffen ist. Wir hatten alle gemeinsam beschlossen, länger zu schlafen, wenn es regnen würde. Doch ich hatte nicht vor, den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Da es regnete, konnten wir auch nicht im Innenhof frühstücken, sondern nahmen den rustikalen Küchentisch in Beschlag. Das leuchtende Gelb der Wände und die Zitronen auf den Tischsets ließen uns das Regenwetter etwas vergessen. Nach dem ausgiebigen Frühstück entschloss ich mich, nochmals mit der Fähre nach Sydney zu fahren. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um an einer Führung durch das Opernhaus teilzunehmen. Kurzerhand entschloss sich Hertha, mich zu begleiten.

Mit Regenschirmen gerüstet, gingen wir zum Hafen. Ich hatte ja noch immer Punkte auf meinem Zehnerblock. Wir mussten nur die Karte entwerten und los ging die Fahrt. Der Himmel war zwar wolkenverhangen, aber es war trotzdem angenehm warm. Wir saßen sogar an Deck, um die Einfahrt in Sydney Harbour live mitzuerleben. Der Anblick der Oper und der dahinter liegenden Harbour Bridge war trotz Schlechtwetters sehr beeindruckend. Man konnte sich sogar noch besser vorstellen, wie sich die Segel im Sturm aufblähen würden. Denn genauso sieht die Dachkonstruktion aus. Trotzdem oder gerade deshalb waren wir sehr dankbar, dass wir diesen Anblick auch bei tiefblauem Himmel hatten erleben dürfen.

Von der Schiffsanlegestelle war es nur ein kurzer Weg bis zum Haupteingang des Opernhauses. Wir mussten genau die Stiegen hinauf, die wir schon zur Vorstellung benutzen mussten. Am Ticketschalter stand eine Schlange und ich sah, dass die nächste Führung in einer halben Stunden beginnen würde. Für diese Führung konnten wir dann auch noch Tickets ergattern. In der Zwischenzeit tranken wir einen Kaffee und schlenderten etwas durch den Opernshop, wo man musikalische Andenken erwerben konnte. Dann mussten wir auch schon zurück zum Informationspunkt, von wo die Führung begann. Ein netter Herr in roter Livree empfing uns und erzählte uns vorerst über die Entstehungsgeschichte und die architektonischen Daten. Da ich mir nicht alles merken konnte, gebe ich einen Auszug aus Wikipedia wieder, der sehr den Worten der Führung ähnelt:

"Das Sydney Opera House ist eines der markantesten und berühmtesten Gebäude des 20. Jahrhunderts und das Wahrzeichen von Sydney. Es geht auf den Entwurf des dänischen Architekten und Pritzker-Preis-Trägers Jørn Utzon zurück. 2007 ehrte die UNESCO das Haus als UNESCO-Welterbe. Ende der 1940er Jahre reifte in Sydney die Idee heran, dass auch diese Stadt ein Opernhaus haben sollte. Repräsentatives Aussehen eines solchen Baues wurde auch als hilfreich angesehen. Als Bauplatz hatte man den Bennelong Point, eine der City vorgelagerte Halbinsel im Hafen auf der anderen Seite der 1932 fertiggestellten Hafenbrücke ins Auge gefasst. Die nach einem australischen Ureinwohner benannte Lokalität wurde zuletzt als Straßenbahnreparaturzentrum verwendet, war aber, nachdem diese Form des öffentlichen Personennahverkehrs gegen den Autoverkehr den Kürzeren zog, zum industriellen Brachland verkommen - ein Schandfleck in prominenter Lage.

1959 begannen die Bauarbeiten. Die gekrümmten Schalen des Daches bereiteten jedoch große Probleme, da sie nur schwer zu berechnen waren. Oft war architektonisches Neuland zu betreten und Probleme wurden bereinigt, wie sie sich stellten. Der Entwurf musste des Öfteren an neue Realitäten angepasst werden. Dies trug dazu bei, dass die ursprünglich veranschlagten Baukosten von £ 3.5 Millionen am Ende bei über £ 50 Millionen, also dann 100 Millionen Australische Dollar lagen und der Termin der Fertigstellung vom 26. Januar, also dem Nationalfeiertag Australia Day von 1965, auf das Jahr 1973 verschoben werden musste.

Die steigenden Baukosten, aber auch künstlerische Differenzen führten zum Zerwürfnis zwischen der federführenden Regierung des Australischen Bundesstaates New South Wales unter dem konservativen Premierminister Robert Askin und dem Architekten. Der Höhepunkt der höchstöffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung war 1966 die Demission Utzons, der quasi über Nacht Australien verließ und nie wieder einen Fuß auf den fünften Kontinent setzen sollte. Eine Gruppe junger australischer Architekten brachte das Werk zu Ende. Utzon war überzeugt, dass die getroffenen Kompromisse das Werk ruinieren würden, und bei der Eröffnung gaben ihm Kritiker und Künstler teilweise Recht. Vor allem die kostengünstige Ausführung größter Teile des Interieurs und die Akustik wurden häufig bemängelt. Am 20. Oktober 1973 wurde das Opernhaus offiziell von Königin Elisabeth II., dem formellen Staatsoberhaupt Australiens, seiner Bestimmung übergeben.

Das Gebäude ist 183 Meter lang, 118 Meter breit und bedeckt eine Fläche von etwa 1,8 Hektar. Sein unverwechselbares Dach ragt 67 Meter hoch auf und ist mit 1.056.000 glasierten, weißen Keramikfliesen verkleidet, die aus Schweden importiert wurden. 580 Betonpfeiler, die 25 Meter tief in den Boden ragen, tragen das etwa 160.000 Tonnen schwere Bauwerk. Unter den riesigen weißen Segeln verbergen sich fünf Theater mit insgesamt 5532 Sitzplätzen: Die Concert Hall (Konzerthalle) mit 2679 Sitzen, das Opera Theatre (Operntheater) mit 1547 Sitzen, das Drama Theatre mit 544 Sitzen, das Playhouse mit 398 Sitzen und das Studio Theatre mit 364 Sitzen. Insgesamt gibt es rund 100 Räume, darunter 5 Probestudios, ein Kino, 60 Umkleideräume, 4 Restaurants, 6 Bars und zahlreiche Andenkenläden. Die Stromversorgung wäre ausreichend für eine Stadt mit 25.000 Einwohnern und umfasst 645 Kilometer an elektrischen Kabeln."

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Umfassende Renovierungs- und Ausbesserungsarbeiten werden zur Zeit durchgeführt. Im Einvernehmen mit dem ursprünglichen Architekten Utzon, mit dem man sich mittlerweile versöhnt hat, werden die Innenräume nach den Originalplänen verändert und fertiggestellt. Der Führer öffnete eine Tür und wir standen mitten im kleinen Saal des Dramen Theaters, in dem gerade Geschichten aus dem Wienerwald zur Aufführung gebracht wurden, Danach besichtigten wir die Opernhalle, in der wir das Ballett Destiny gesehen hatten. Sie ist der zweitgrößte Raum mit einem Fassungsvermögen für 1547 Leute. Gezeigt werden hier vor allem Ballett und Opern. Die Halle ist schwarz gestrichen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Bühne zu lenken. Das war mir während der Vorstellung gar nicht aufgefallen. Bei Tageslicht hatten die schwarzen Wände mit den roten Sesselreihen eine etwas triste Ausstrahlung.

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Dann gelangten wir in den Wintergarten, wo wir in der Pause ein Glas Sekt getrunken hatten. Dieser Ort mit herrlicher Aussicht wird nicht nur in den Pausen der Vorstellungen genutzt, sondern auch für kleinere und größere Empfänge wie auch für Hochzeiten. Die Deckenkonstruktion ist frei sichtbar. Der rohe Beton bildet einen starken Konstrast zu den weißen Kacheln des Daches an der Außenseite. Im großen Konzertsaal fand gerade die Generalprobe des Australischen Symphony Orchesters für die Weltpremiere von "Symphony of Australia" von Gavin Lockley statt. Normalerweise sind dann keine Führungen zugelassen. Unser Führer holte jedoch eine Sondergenehmigung ein und wir konnten einige Minuten den Klängen dieses großartigen Orchesters lauschen. Es wäre auch schade gewesen, wenn wir uns im Konzertsaal, der extra für die Bedürfnisses eines symphonischen Orchesters errichtet worden war, nicht hätten umsehen können.

Die Decke, die mit Holz verkleidet ist, ragt 22m hoch über der Bühne. Das Volumen von 26.400m² gibt ein Echo von über 2 Sek wieder. Die Orgel in der Concert Hall wurde von Ronald Sharp entworfen und zählt zu den größten der Welt. Problem der Halle ist ihre schlechte Akustik. Damit sich die Musiker gegenseitig hören können, wurden vor ein paar Jahren 18 Plastik-Ringe als Klangbrecher über dem Orchester installiert, die jedoch keine Besserung bewirken konnten. Ende Januar 2001 wurde über dem Orchesterpodium eine provisorische Decke auf Höhe der Plastik-Ringe eingezogen, was zu einer erheblichen Klangverbesserung führte. Die Konzerthalle soll nun weiter ausgebaut werden, nach dem Vorbild der Berliner Philharmonie.

Nach diesem Höhepunkt war die einstündige Führung auch schon wieder zu Ende. Da der Himmel zwar bewölkt war, es aber nicht regnete, beschlossen wir doch noch eine Hafenrundfahrt zu machen, was uns Petra sehr empfohlen hat. Wir kauften uns eine Fahrkarte, die den ganzen Tag Gültigkeit hatte, und bestiegen ein Schiff der Captain Cook Cruises. Es gab eine fixe Route durch den Hafen mit ungefähr zehn Haltestellen, an denen man aussteigen und mit dem nächsten Schiff weiterfahren konnte. Erste Anlegestelle war Fort Denison. Eine kleine Festung auf einer Insel, die der Hafeneinfahrt vorgelagert ist und einst Verteidigungszwecken diente. Heute ist hier ein Museum und ein kleines Cafe untergebracht.

Dann befuhren wir einige Arme des weitverzweigten Naturhafens. Immer wieder kamen wir in Viertel, in den die Reichen ihre wunderschönen Villen und Paläste an den Hängen mit Meerblick gebaut haben. Eine der Anlegestellen war für den Sydney Zoo. Vom Strand aus wird man hier mit einer Seilbahn auf den Hügel gebracht, auf dem sich das Zoogelände befindet. Der Captain empfahl uns jedoch, das Schiff in der Watson Bay zu verlassen. Auch hier gebe es viele Villen und man könnten einen schönen Spaziergang machen, bis das nächste Boot in etwa einer Stunde vorbeikäme. Wir stiegen aus und gingen vorerst durch den Robertson Park, in dem es viele exotische Bäume gab, die gerade zartrosa blühten. Ein chinesisches Paar kam uns entgegen. Auf einmal fiel ein großes, weißes Leintuch von einem Baum - oder was war das? Ein großer, weißer Vogel war einen Zentimeter über den Kopf des Chinesen hinweggeflogen. Er erschrak sehr.

Danach erklommen wir einen kleinen Hügel. Auf der Anhöhe begann der South Head Walk. Wir folgten vorerst dem Wanderweg entlang der Klippen, der einen atemberaubenden Ausblick auf "The Gap Bluff", einer steilen Klippe, freigab. 1857 erlangte dieser Felsen traurige Berühmtheit durch eine Schiffstragödie: Die Führung eines Schiffes namens Dunbar verwechselte die Felsbucht des Gap mit der Hafeneinfahrt. Das Schiff zerschellte an den Klippen, 121 Menschen verloren ihr Leben. Etwa ab 1870 verhinderte die militärische Bedeutung des Ortes für Jahrzehnte die weitere Entwicklung. Der Felsenkopf südlich der Hafeneinfahrt spielte eine Schlüsselrolle für die Verteidigung des Hafens und damit der Stadt. 1895 - 1941 besetzte die Artillerieschule der australischen Armee diese Stellungen. 1942 nahm die australische Marine sie in Besitz. 1942 wurde das eine Ende eines U-Boot-Schutznetzes am Green Point in Watsons Bay befestigt. Das Netz wurde nach dem Krieg zerstört; vom alten Windenhaus, von dem aus es bedient wurde, sind nur noch die Grundmauern erhalten. Auch heute noch beherbergt ein Teil des Geländes das Marine-Trainingszentrum HMAS Watson.

Zwischen den Felsen sah man immer wieder verschiedene Vögel und bunt blühende Blumen. Das ganze Gebiet gehört zum Sydney Harbour Nationalpark. Der Rundweg hatte uns wieder zum Ausgangspunkt zurück gebracht. Wir kehrten dem Pazifik den Rücken und schauten in das geschützte Hafenbecken. Der Blick reichte bis zur Skyline von Sydney mit der Harbour Bridge. In der Ferne sahen wir schon ein Schiff einlaufen und wir kamen gerade rechtzeitig zur Anlegestelle, bevor es wieder zu regnen begann. Das konnte jedoch unsere Laune nicht trüben und wir vergnügten uns bei "Singing in the Rain". Leider ging dieses Schiff zurück nach Port Sydney, von wo aus wir die Runde durch den Hafen begonnen hatten. Von dort aus wollten wir ein anderes Schiff nach Darling Harbour nehmen. Hertha wollte sich nochmals am Chinesischen Markt umsehen. Dort gibt es nämlich die günstigsten Digeridoos.

Als wir das Schiff verliesen, begann es wieder zu regnen und eigentlich waren wir auch schon müde. So nahmen wir einfach die nächste Fähre nach Manly. Wir gingen zurück ins Hotel und fanden ein paar Stunden Ruhe und Erholung im Bett. Dann kam Peter von einem Spaziergang durch den Ort zurück. Wir hatten ganz die Zeit übersehen. Es war schon gegen 18:00 Uhr. Mittlerweile hatte sich das Wetter gebessert und wir konnten uns ohne Schirm auf die Straße wagen. Irgendwo würden wir sicher wieder ein Plätzchen finden, wo gut gekocht wurde. The Steyne Hotel lag direkt erste Reihe fussfrei und bot einen wunderbaren Blick über die Bucht. Obwohl das Haus Hotel hieß - es war eben früher mal ein Hotel in der Gründerzeit - war hier ein vielversprechendes Restaurant untergebracht. Es war sehr urig mit altem Holz eingerichtet.

Gut, dass wir das Bestellsystem kannten. Also bestellten wir an der Bar das Getränk und bezahlten. Dann orderten wir an der anderen Seite der Bar unser Essen, bezahlten und erhielten einen Pipser, der uns in die Küche rief, wenn das Essen fertig war. Auch so kann man Personal sparen. Auf jeden Fall waren die georderten Steaks nicht nur groß, sondern auch sehr lecker und genau auf den Punkt gebraten. Ich hatte mir noch eine Schüssel überbackenen Karfiol dazubestellt. Die Portion reichte für eine ganze Armee. Wir hatten genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, bevor auch noch viele andere Besucher das Lokal entdeckt hatten. Als Peter eine zweite Runde an der Bar ordern wollte, musste er sich hinten an der Schlange anreihen. Für ihn war das System fürchterlich. Er mag es einfach lieber, wenn die Kellnerin kommt und ihm dann das Getränk serviert. Aber andere Länder - andere Sitten. Bald würden wir ja wieder in unsere gewohnte Umgebung zurückkehren und alles würde nach den gewohnten Sitten verlaufen. Vielleicht hatten wir uns jedoch etwas verändert und die zu Hause üblichen Sitten würden in einem anderen Licht stehen.

Posted by Fegoesoz 11:04 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

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Relax

sunny 35 °C

Relax
26. November 2007

Neuer Tag, neues Spiel. Für heute ist Erholung angesagt. Und das, obwohl wir uns schon seit drei Wochen erholen. Trotzdem, ein Tag am Strand und Sonne am Bauch wird uns guttun. Das Periwinkle ist wirklich ein Traum. Schon am Morgen fiel mein Blick auf das Hafenbecken und die sich darin tummelnden Boote. Die Fähre lief gerade ein. Man müsste eigentlich dann erst von hier starten, wenn man sie sieht, um sie noch leicht erreichen zu können. Die Pension ist ideal gelegen. Jetzt müsste es nur noch mit dem Frühstück klappen, dann wäre ich zufrieden. In der Küche traf ich schon Seppi. Eine Schüssel voll Obstsalat stand am Tresen. Verschiedene Brote lagen bereit, um von uns in den Toaster geworfen zu werden. Butter, Marmelade, Cerealien, Tee und Kaffee, alles war liebevoll hergerichtet. Anstatt der Plastikteller und -becher, die wir unterwegs zur Einnahme unserer Mahlzeiten verwendet hatten, gab es hier schönes Porzellan. Es glänzte sogar! Welch ein Luxus!

Schön langsam fanden sich alle ein und wir setzten uns an einen Tisch im Innenhof. Dann tauchten auch noch andere gute Sachen auf. Im Kühlschrank gab es Joghurt und im Ofen warme Croisants. Wir genossen ausgiebig unser Frühstück. Als wir dann unsere Teller abwaschen wollten, kam eine ältere Dame und nahm sie uns ab. Sie öffnete den Geschirrspüler und stellte alles hinein. So würde es sauberer werden, meinte sie. Wie recht sie wohl hatte!

Unsere Badesachen hatten wir bereits gepackt. Den Weg zum Strand kannten wir auch schon. Also, los geht's! Der Strand lag zwar vor der Tür, aber im Hafenbecken, in dem jede halbe Stunde eine Fähre ankommt und ausläuft, wollten wir nicht baden. Schnell aber war die Halbinsel durchquert und wir standen am weißen Sand des Manly Beaches. Manly erhielt seinen Namen am 21. Januar 1788 durch den Befehlshaber der First Fleet, Captain Arthur Phillip, auf einer dreitägigen Erkundungstour durch den Port Jackson. Die Einfahrt zum Port Jackson hatte Captain James Cook bereits 1770 auf seinen Karten verzeichnet, ihn aber nie erkundet.

Captain Arthur Phillip war so beeindruckt vom Auftreten („manly behaviour“) der Aborigines, die seinen drei Booten beim ersten Treffen entgegen wateten, dass er die Stelle Manly nannte. Henry Gilbert Smith (1802-1886), ein britischer Geschäftsmann aus Northamptonshire, erkannte, dass Manly - mit dem Ozeanstrand auf der einen und der feinsandigen Bucht auf der anderen Seite - ein hervorragender Badeort für die Bewohner Sydneys sein würde - ganz so, wie es Brighton für die Londoner war. In den Jahren ab 1853 begann er deshalb Land in diesem Gebiet zu erwerben. Entlang des Ufers wurden Norfolk-Tannen (Araucaria heterophylla) gepflanzt, und bis 1855 hatte Smith eine Pier errichtet und das Pier Hotel erbaut. Im März 1856 wurde eine schmale Straße angelegt, die den Hafen mit dem Manly Ocean Beach verband. Henry Gilbert Smith nannte sie den Corso (nach einer Straße in Rom). Aber diesen wollten wir erst am Abend besuchen und dort das Nachtleben genießen.

Vorerst suchten wir nach einem Platz, wo wir Anker werfen konnten. Der circa zwei Kilometer lange und 20 bis 30 m breite, weiße Sandstrand des Manly Beaches ist zwar toll, aber es gibt hier keinen natürlichen Schattenspender. Da wir keinen Sonnenschirm hatten und ich es nicht den ganzen Tag an der prallen Sonne aushalten würde, mussten wir einen anderen Platz suchen. Als wir nach rechts sahen, fiel unser Blick auf eine kleine, geschützte Bucht mit vielen Palmen. Dort wollten wir unser Glück versuchen. Der Cabbage Tree Bay Eco-Sculpture Walk dorthin führte uns an vielen Kunstwerken vorbei. Die Kronen der Palmen, die in der Shelly Bucht wachsen, sehen tatsächlich wie riesige Krautköpfe aus. Shelly Beach ist eine von allen Seiten geschützte Bucht und der einzige Strand der Ostküste Australiens, der Inland ausgerichtet ist. Außerdem gibt es hier ein vornehmenes Restaurant und einen kleinen Kiosk, Griller und was noch wichtiger ist, Duschen und Toiletten, was man selten an australischen Stränden findet.

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Schnell fand jeder einen geeigneten Platz, wo er den Tag verbringen wollte. Kunststück, bei einem menschenleeren Strand, der darauf wartete, von uns erobert zu werden. Erste Reihe fußfrei war gerade recht. Bald schon glänzten alle wie Ölsardinen und die tropische Sonne konnte bis zum Untergang abwechselnd Beine, Bauch und Po kitzeln. Ich fand ein schönes Plätzchen im Schatten einer Palme, mit der ich mich gut verstand. An ihren Stamm gelehnt hatte ich nicht nur einen guten Überblick auf das Geschehen am Strand, sondern auch die ideale Lesehaltung. Vorerst aber wollte ich die Gegend ein bisschen erkunden. Es war noch zu früh, um sich hinzulegen, denn wir waren ja gerade erst aufgestanden. Peter und ich beschlossen, den Hinweisschildern des Shelly Beach Walkes zu folgen. Ein gut gesicherter Spazierweg führte zum Teil über Klippen durch den australischen Busch und gab immer wieder atemberaubende Blicke auf einsame Buchten frei. Durch ein kleines Wäldchen kehrten wir zurück an den Strand, wo sich die anderen gerade ins spiegelglatte Wasser gewagt hatten.

In der Ferne sah ich, wie sich eine Kolonne roter Ameisen unsere Strandidylle näherte. Ganze Schulklassen pilgern hierher in die Bucht, da das Wasser ruhig ist und man so am besten Unterricht in Schwimmen, Tauchen und Surfen geben kann. So wie man bei uns in Österreich sagt, dass Kinder zuerst Schifahren und dann Laufen lernen, ist es hier mit dem Surfen. Man könnte zum Teil glauben, dass die Kinder schon mit dem Brett auf die Welt kommen. Wenn man diese geschützte Bucht verlässt, trifft man auf "Bower", eine Welle, die in Surferkreisen sehr bekannt und beliebt ist. Dann gibt es auch noch Winki und Deadman's - Wellen, die so berühmt sind, dass sie sogar Namen haben - eben wie bei uns berühmte Schigebiete. Hier braucht man allerdings keine Aufstiegshilfen. Aber es artet in Schwerarbeit aus, auf das Meer hinauszupaddeln, um dann mit einer Welle Richtung Strand zu gleiten.

Um die Mittagszeit wurde es dann doch zu heiß, um in der prallen Sonne zu bleiben. Im Strandkiosk bestellten Hertha und ich etwas für den kleinen Hunger - jeweils eine Portion Potato-Wedges. Diese Kleinigkeit war so groß, dass eine ganze Kompanie davon satt werden konnte. Im Schatten der Palmen betätigten sich dann Verena und Hertha als Baumeister und Architekt und zauberten eine Sandburg, die sich sehen lassen konnte. Sie freuten sich darüber. Ich verschlief den meisten Nachmittag. Tut das gut. Der Duft von Kaffee weckte allerdings wieder meine Lebengeister und der von Hertha gereichte Becher mit schwarzem Wasser wurde dankbar entgegengenommen.

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Jeder hatte seinen Tag so gestaltet, dass er einen großen Erholungswert hatte. Jeder verließ dieses Paradies dann irgendwann wieder, um sich irdischen Dingen zu widmen - einem Einkauf, einer ausgedehnten Dusche oder dem Sightseeing. Als ich geduscht hatte, läutete das Telefon und Eva sagte Bescheid, dass sie mit der nächsten Fähre ankommen würden. Ich sagte schnell Verena Bescheid, damit sie einen Abholdienst organisieren konnte. Sicher hatten die beiden schweres Gepäck. Sie hatten ihren Haushalt in Sydney aufgelöst, alles nicht mehr Benötigte bei Freunden in Sydney untergestellt oder nach Hause geschickt. Denn schon bald würden sie nach Neuseeland aufbrechen.

Obwohl wir Mittag eine große Portion Kartoffeln verdrückt hatten, wurden wir von einem Hungergefühl geplagt, das gestillt werden wollte. Also brachen wir Acht auf, um ein Lokal zu finden. Entlang des Strandes und auch am Corso war die Auswahl groß. Da es ein sehr lauer Abend war, entschlossen wir uns für ein Lokal, wo man draußen sitzen konnte. Steak, Fisch und Lamm, alles einheimische Produkte, lagen in veredelter Form auf den Tellern vor uns und warteten darauf von uns verspeist zu werden. Zu den Leckerbissen passte natürlich noch der Saft der Reben, die in der australischen Sonne gereift waren. Dann noch ein Dänisches Eis zum Nachtisch und alle waren zufrieden.

Am Corso und entlang der Hafenpromenade spielt sich das Nachtleben ab. Da wir aber von der Sonne und der Meeresluft recht müde waren, begnügten wir uns einfach mit einem Scheidebecher auf der Terrasse unseres Hotels. Ein erholsamer Tag war zu ende gegangen. Schade, dass es schon einer unserer letzten hier in Down Under ist.

Posted by Fegoesoz 11:01 Archived in Postcards | Australia Comments (0)

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