Singing in the Rain
27.11.2007
22 °C
Singing in the Rain
27. November 2007
Wenn Regentropfen ganz leis an dein Fenster klopfen, dann heißt das wohl, dass die Schlechtwettervorhersage auch eingetroffen ist. Wir hatten alle gemeinsam beschlossen, länger zu schlafen, wenn es regnen würde. Doch ich hatte nicht vor, den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Da es regnete, konnten wir auch nicht im Innenhof frühstücken, sondern nahmen den rustikalen Küchentisch in Beschlag. Das leuchtende Gelb der Wände und die Zitronen auf den Tischsets ließen uns das Regenwetter etwas vergessen. Nach dem ausgiebigen Frühstück entschloss ich mich, nochmals mit der Fähre nach Sydney zu fahren. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um an einer Führung durch das Opernhaus teilzunehmen. Kurzerhand entschloss sich Hertha, mich zu begleiten.
Mit Regenschirmen gerüstet, gingen wir zum Hafen. Ich hatte ja noch immer Punkte auf meinem Zehnerblock. Wir mussten nur die Karte entwerten und los ging die Fahrt. Der Himmel war zwar wolkenverhangen, aber es war trotzdem angenehm warm. Wir saßen sogar an Deck, um die Einfahrt in Sydney Harbour live mitzuerleben. Der Anblick der Oper und der dahinter liegenden Harbour Bridge war trotz Schlechtwetters sehr beeindruckend. Man konnte sich sogar noch besser vorstellen, wie sich die Segel im Sturm aufblähen würden. Denn genauso sieht die Dachkonstruktion aus. Trotzdem oder gerade deshalb waren wir sehr dankbar, dass wir diesen Anblick auch bei tiefblauem Himmel hatten erleben dürfen.
Von der Schiffsanlegestelle war es nur ein kurzer Weg bis zum Haupteingang des Opernhauses. Wir mussten genau die Stiegen hinauf, die wir schon zur Vorstellung benutzen mussten. Am Ticketschalter stand eine Schlange und ich sah, dass die nächste Führung in einer halben Stunden beginnen würde. Für diese Führung konnten wir dann auch noch Tickets ergattern. In der Zwischenzeit tranken wir einen Kaffee und schlenderten etwas durch den Opernshop, wo man musikalische Andenken erwerben konnte. Dann mussten wir auch schon zurück zum Informationspunkt, von wo die Führung begann. Ein netter Herr in roter Livree empfing uns und erzählte uns vorerst über die Entstehungsgeschichte und die architektonischen Daten. Da ich mir nicht alles merken konnte, gebe ich einen Auszug aus Wikipedia wieder, der sehr den Worten der Führung ähnelt:
"Das Sydney Opera House ist eines der markantesten und berühmtesten Gebäude des 20. Jahrhunderts und das Wahrzeichen von Sydney. Es geht auf den Entwurf des dänischen Architekten und Pritzker-Preis-Trägers Jørn Utzon zurück. 2007 ehrte die UNESCO das Haus als UNESCO-Welterbe. Ende der 1940er Jahre reifte in Sydney die Idee heran, dass auch diese Stadt ein Opernhaus haben sollte. Repräsentatives Aussehen eines solchen Baues wurde auch als hilfreich angesehen. Als Bauplatz hatte man den Bennelong Point, eine der City vorgelagerte Halbinsel im Hafen auf der anderen Seite der 1932 fertiggestellten Hafenbrücke ins Auge gefasst. Die nach einem australischen Ureinwohner benannte Lokalität wurde zuletzt als Straßenbahnreparaturzentrum verwendet, war aber, nachdem diese Form des öffentlichen Personennahverkehrs gegen den Autoverkehr den Kürzeren zog, zum industriellen Brachland verkommen - ein Schandfleck in prominenter Lage.
1959 begannen die Bauarbeiten. Die gekrümmten Schalen des Daches bereiteten jedoch große Probleme, da sie nur schwer zu berechnen waren. Oft war architektonisches Neuland zu betreten und Probleme wurden bereinigt, wie sie sich stellten. Der Entwurf musste des Öfteren an neue Realitäten angepasst werden. Dies trug dazu bei, dass die ursprünglich veranschlagten Baukosten von £ 3.5 Millionen am Ende bei über £ 50 Millionen, also dann 100 Millionen Australische Dollar lagen und der Termin der Fertigstellung vom 26. Januar, also dem Nationalfeiertag Australia Day von 1965, auf das Jahr 1973 verschoben werden musste.
Die steigenden Baukosten, aber auch künstlerische Differenzen führten zum Zerwürfnis zwischen der federführenden Regierung des Australischen Bundesstaates New South Wales unter dem konservativen Premierminister Robert Askin und dem Architekten. Der Höhepunkt der höchstöffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung war 1966 die Demission Utzons, der quasi über Nacht Australien verließ und nie wieder einen Fuß auf den fünften Kontinent setzen sollte. Eine Gruppe junger australischer Architekten brachte das Werk zu Ende. Utzon war überzeugt, dass die getroffenen Kompromisse das Werk ruinieren würden, und bei der Eröffnung gaben ihm Kritiker und Künstler teilweise Recht. Vor allem die kostengünstige Ausführung größter Teile des Interieurs und die Akustik wurden häufig bemängelt. Am 20. Oktober 1973 wurde das Opernhaus offiziell von Königin Elisabeth II., dem formellen Staatsoberhaupt Australiens, seiner Bestimmung übergeben.
Das Gebäude ist 183 Meter lang, 118 Meter breit und bedeckt eine Fläche von etwa 1,8 Hektar. Sein unverwechselbares Dach ragt 67 Meter hoch auf und ist mit 1.056.000 glasierten, weißen Keramikfliesen verkleidet, die aus Schweden importiert wurden. 580 Betonpfeiler, die 25 Meter tief in den Boden ragen, tragen das etwa 160.000 Tonnen schwere Bauwerk. Unter den riesigen weißen Segeln verbergen sich fünf Theater mit insgesamt 5532 Sitzplätzen: Die Concert Hall (Konzerthalle) mit 2679 Sitzen, das Opera Theatre (Operntheater) mit 1547 Sitzen, das Drama Theatre mit 544 Sitzen, das Playhouse mit 398 Sitzen und das Studio Theatre mit 364 Sitzen. Insgesamt gibt es rund 100 Räume, darunter 5 Probestudios, ein Kino, 60 Umkleideräume, 4 Restaurants, 6 Bars und zahlreiche Andenkenläden. Die Stromversorgung wäre ausreichend für eine Stadt mit 25.000 Einwohnern und umfasst 645 Kilometer an elektrischen Kabeln."

Umfassende Renovierungs- und Ausbesserungsarbeiten werden zur Zeit durchgeführt. Im Einvernehmen mit dem ursprünglichen Architekten Utzon, mit dem man sich mittlerweile versöhnt hat, werden die Innenräume nach den Originalplänen verändert und fertiggestellt. Der Führer öffnete eine Tür und wir standen mitten im kleinen Saal des Dramen Theaters, in dem gerade Geschichten aus dem Wienerwald zur Aufführung gebracht wurden, Danach besichtigten wir die Opernhalle, in der wir das Ballett Destiny gesehen hatten. Sie ist der zweitgrößte Raum mit einem Fassungsvermögen für 1547 Leute. Gezeigt werden hier vor allem Ballett und Opern. Die Halle ist schwarz gestrichen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Bühne zu lenken. Das war mir während der Vorstellung gar nicht aufgefallen. Bei Tageslicht hatten die schwarzen Wände mit den roten Sesselreihen eine etwas triste Ausstrahlung.

Dann gelangten wir in den Wintergarten, wo wir in der Pause ein Glas Sekt getrunken hatten. Dieser Ort mit herrlicher Aussicht wird nicht nur in den Pausen der Vorstellungen genutzt, sondern auch für kleinere und größere Empfänge wie auch für Hochzeiten. Die Deckenkonstruktion ist frei sichtbar. Der rohe Beton bildet einen starken Konstrast zu den weißen Kacheln des Daches an der Außenseite. Im großen Konzertsaal fand gerade die Generalprobe des Australischen Symphony Orchesters für die Weltpremiere von "Symphony of Australia" von Gavin Lockley statt. Normalerweise sind dann keine Führungen zugelassen. Unser Führer holte jedoch eine Sondergenehmigung ein und wir konnten einige Minuten den Klängen dieses großartigen Orchesters lauschen. Es wäre auch schade gewesen, wenn wir uns im Konzertsaal, der extra für die Bedürfnisses eines symphonischen Orchesters errichtet worden war, nicht hätten umsehen können.
Die Decke, die mit Holz verkleidet ist, ragt 22m hoch über der Bühne. Das Volumen von 26.400m² gibt ein Echo von über 2 Sek wieder. Die Orgel in der Concert Hall wurde von Ronald Sharp entworfen und zählt zu den größten der Welt. Problem der Halle ist ihre schlechte Akustik. Damit sich die Musiker gegenseitig hören können, wurden vor ein paar Jahren 18 Plastik-Ringe als Klangbrecher über dem Orchester installiert, die jedoch keine Besserung bewirken konnten. Ende Januar 2001 wurde über dem Orchesterpodium eine provisorische Decke auf Höhe der Plastik-Ringe eingezogen, was zu einer erheblichen Klangverbesserung führte. Die Konzerthalle soll nun weiter ausgebaut werden, nach dem Vorbild der Berliner Philharmonie.
Nach diesem Höhepunkt war die einstündige Führung auch schon wieder zu Ende. Da der Himmel zwar bewölkt war, es aber nicht regnete, beschlossen wir doch noch eine Hafenrundfahrt zu machen, was uns Petra sehr empfohlen hat. Wir kauften uns eine Fahrkarte, die den ganzen Tag Gültigkeit hatte, und bestiegen ein Schiff der Captain Cook Cruises. Es gab eine fixe Route durch den Hafen mit ungefähr zehn Haltestellen, an denen man aussteigen und mit dem nächsten Schiff weiterfahren konnte. Erste Anlegestelle war Fort Denison. Eine kleine Festung auf einer Insel, die der Hafeneinfahrt vorgelagert ist und einst Verteidigungszwecken diente. Heute ist hier ein Museum und ein kleines Cafe untergebracht.
Dann befuhren wir einige Arme des weitverzweigten Naturhafens. Immer wieder kamen wir in Viertel, in den die Reichen ihre wunderschönen Villen und Paläste an den Hängen mit Meerblick gebaut haben. Eine der Anlegestellen war für den Sydney Zoo. Vom Strand aus wird man hier mit einer Seilbahn auf den Hügel gebracht, auf dem sich das Zoogelände befindet. Der Captain empfahl uns jedoch, das Schiff in der Watson Bay zu verlassen. Auch hier gebe es viele Villen und man könnten einen schönen Spaziergang machen, bis das nächste Boot in etwa einer Stunde vorbeikäme. Wir stiegen aus und gingen vorerst durch den Robertson Park, in dem es viele exotische Bäume gab, die gerade zartrosa blühten. Ein chinesisches Paar kam uns entgegen. Auf einmal fiel ein großes, weißes Leintuch von einem Baum - oder was war das? Ein großer, weißer Vogel war einen Zentimeter über den Kopf des Chinesen hinweggeflogen. Er erschrak sehr.
Danach erklommen wir einen kleinen Hügel. Auf der Anhöhe begann der South Head Walk. Wir folgten vorerst dem Wanderweg entlang der Klippen, der einen atemberaubenden Ausblick auf "The Gap Bluff", einer steilen Klippe, freigab. 1857 erlangte dieser Felsen traurige Berühmtheit durch eine Schiffstragödie: Die Führung eines Schiffes namens Dunbar verwechselte die Felsbucht des Gap mit der Hafeneinfahrt. Das Schiff zerschellte an den Klippen, 121 Menschen verloren ihr Leben. Etwa ab 1870 verhinderte die militärische Bedeutung des Ortes für Jahrzehnte die weitere Entwicklung. Der Felsenkopf südlich der Hafeneinfahrt spielte eine Schlüsselrolle für die Verteidigung des Hafens und damit der Stadt. 1895 - 1941 besetzte die Artillerieschule der australischen Armee diese Stellungen. 1942 nahm die australische Marine sie in Besitz. 1942 wurde das eine Ende eines U-Boot-Schutznetzes am Green Point in Watsons Bay befestigt. Das Netz wurde nach dem Krieg zerstört; vom alten Windenhaus, von dem aus es bedient wurde, sind nur noch die Grundmauern erhalten. Auch heute noch beherbergt ein Teil des Geländes das Marine-Trainingszentrum HMAS Watson.
Zwischen den Felsen sah man immer wieder verschiedene Vögel und bunt blühende Blumen. Das ganze Gebiet gehört zum Sydney Harbour Nationalpark. Der Rundweg hatte uns wieder zum Ausgangspunkt zurück gebracht. Wir kehrten dem Pazifik den Rücken und schauten in das geschützte Hafenbecken. Der Blick reichte bis zur Skyline von Sydney mit der Harbour Bridge. In der Ferne sahen wir schon ein Schiff einlaufen und wir kamen gerade rechtzeitig zur Anlegestelle, bevor es wieder zu regnen begann. Das konnte jedoch unsere Laune nicht trüben und wir vergnügten uns bei "Singing in the Rain". Leider ging dieses Schiff zurück nach Port Sydney, von wo aus wir die Runde durch den Hafen begonnen hatten. Von dort aus wollten wir ein anderes Schiff nach Darling Harbour nehmen. Hertha wollte sich nochmals am Chinesischen Markt umsehen. Dort gibt es nämlich die günstigsten Digeridoos.
Als wir das Schiff verliesen, begann es wieder zu regnen und eigentlich waren wir auch schon müde. So nahmen wir einfach die nächste Fähre nach Manly. Wir gingen zurück ins Hotel und fanden ein paar Stunden Ruhe und Erholung im Bett. Dann kam Peter von einem Spaziergang durch den Ort zurück. Wir hatten ganz die Zeit übersehen. Es war schon gegen 18:00 Uhr. Mittlerweile hatte sich das Wetter gebessert und wir konnten uns ohne Schirm auf die Straße wagen. Irgendwo würden wir sicher wieder ein Plätzchen finden, wo gut gekocht wurde. The Steyne Hotel lag direkt erste Reihe fussfrei und bot einen wunderbaren Blick über die Bucht. Obwohl das Haus Hotel hieß - es war eben früher mal ein Hotel in der Gründerzeit - war hier ein vielversprechendes Restaurant untergebracht. Es war sehr urig mit altem Holz eingerichtet.
Gut, dass wir das Bestellsystem kannten. Also bestellten wir an der Bar das Getränk und bezahlten. Dann orderten wir an der anderen Seite der Bar unser Essen, bezahlten und erhielten einen Pipser, der uns in die Küche rief, wenn das Essen fertig war. Auch so kann man Personal sparen. Auf jeden Fall waren die georderten Steaks nicht nur groß, sondern auch sehr lecker und genau auf den Punkt gebraten. Ich hatte mir noch eine Schüssel überbackenen Karfiol dazubestellt. Die Portion reichte für eine ganze Armee. Wir hatten genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, bevor auch noch viele andere Besucher das Lokal entdeckt hatten. Als Peter eine zweite Runde an der Bar ordern wollte, musste er sich hinten an der Schlange anreihen. Für ihn war das System fürchterlich. Er mag es einfach lieber, wenn die Kellnerin kommt und ihm dann das Getränk serviert. Aber andere Länder - andere Sitten. Bald würden wir ja wieder in unsere gewohnte Umgebung zurückkehren und alles würde nach den gewohnten Sitten verlaufen. Vielleicht hatten wir uns jedoch etwas verändert und die zu Hause üblichen Sitten würden in einem anderen Licht stehen.





